Evan Osnos

Yacht oder nicht Yacht

Nachrichten aus der Welt der Ultrareichen
Cover: Yacht oder nicht Yacht
C.H. Beck Verlag, München 2026
ISBN 9783406844003
Broschiert, 315 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Andreas Wirthensohn. Evan Osnos nimmt uns mit in die Welt der Superreichen: Sehr lange Yachten, extravagante Partys, katastrophensichere Luxusbunker, Wirtschaftskriminalität jeder Art und immenser politischer Einfluss - so lebt eine privilegierte Schicht, die nicht nur ihre Bodenhaftung verloren, sondern auch jegliches Wertesystem über Bord geworfen hat. Für die kleine, verschworene Gemeinschaft rund um die größten Yachten der Welt hat die Messe in Palm Beach die vielversprechende Aura eines Trainingslagers nach der Winterpause. Zu Beginn der Sommersaison bietet sie Maklern, Bootsbauern und Eignern die Gelegenheit, sich einen Eindruck von den neuesten Produkten zu verschaffen und Informationen zu sammeln: Wer steigt ein? Wer steigt aus? Und am dringlichsten: Wer hat ein Auge auf ein größeres Boot geworfen? An den Docks sortieren Makler die Menschenmenge nach ihrem Potenzial.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 23.03.2026

Der Historiker und Literaturwissenschaftler Gerrit ter Horst begibt sich mit New Yorker-Journalist Evan Osnos auf die Spuren der oligarchischen Luxus-Prepper, denen Trump Tür und Tor geöffnet hat. Osnos hat hier einige seiner Texte zusammengestellt, in denen er Messen für Luxusyachten und Privatkonzerte besucht und sich mit ultrareichen Preppern unterhält, ter Horst liest hier die Berichte eines Besorgten, die ihn an den dekadenten Untergang des Römischen Reichs erinnern. Besonders die Yachten sind Symbolbild für den irren Reichtum, beinahe wäre für Bezos' Bonzen-Schiff ja mal eine denkmalgeschützte Brücke abgebaut worden, erinnert der Kritiker. Die besondere Stärke des Autors ist dem Kritiker zufolge, mit einem Text die Fäden mehrerer Themen zusammenzuführen, so zum Beispiel bei Flo Rida, dessen Privatkonzert auf einer Bar Mitzwa gleichermaßen etwas über die Unterhaltung der Superreichen wie über die Probleme der Musikindustrie verrät. Dass es strukturelle Gründe für den Anwuchs an Superreichtum gibt, lernt nicht nur Osnos bei einer Selbsthilfe-Gruppe für Wirtschaftsbetrug, sondern auch der von diesem Buch überzeugte Rezensent. 

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.03.2026

Rezensent Helmut Meyer erfährt bei Evan Osnos Wissenswertes über das Phänomen der Ultrareichen. Die zwischen 2018 und 2024 im "New Yorker" veröffentlichten Texte befassen sich laut Meyer mit Super- und Gigayachten als Symbol für die Kategorie der Ultrareichen, mit den Playern und Profiteuren dieser Welt und mit der Entwicklung an Connecticuts Gold Coast. Auch ohne neue Einsichten sind die Texte für Meyer aufschlussreich, etwa indem sie den Zusammenhang zwischen "big money" und politischer Macht erkennen lassen. Überzeugend findet er das Arrangement der Stimmen und die zurückhaltende, aber eindeutige Positionierung des Autors zu seinem Recherchematerial. Indem Osnos die Fakten sprechen lässt, offenbart sich für den Leser die Fragwürdigkeit der geschilderten Entwicklungen, findet Meyer.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 28.02.2026

Rezensentin Nina Brink schaudert es bei der Lektüre dieses Buches über die neuen Superreichen. Evan Osnos hat sie in Orten wie Palm Beach oder Monte Carlo ausfindig gemacht und zeigt auf, welch seltsame Blüten die derzeitige extreme Kapitalakkumulation weniger Einzelner treibt. Unter anderem gibt es eine neue Demarkationslinie zwischen lediglich Reichen und Superreichen: Wer es wirklich in den Bezos-Musk-Zuckerberg-Club geschafft hat, besitzt eine viele Millionen teure Yacht. Auf der die Superreichen, die auch jede Menge politische Macht haben, sich gleichzeitig vor kommenden Krisen zu schützen versuchen. Superprepper gewissermaßen. Brink, die das Buch mit einigem Gewinn gelesen hat, kann all das kaum glauben.

Buch in der Debatte

9punkt 08.04.2026
"Wir leben bereits in einer Oligarchie", stellt der Journalist Evan Osnos, der in seinem neuen Buch die Welt der Superreichen ergründet, im Zeit online-Interview fest: "Mein Eindruck ist, dass die USA schon immer so angelegt waren. Aber wir haben uns entwickelt: von einer zivilen zu einer sultanistischen Oligarchie. Das heißt, die wohlhabende Klasse erlaubt einem ihrer Vertreter zu herrschen, weil er die Privilegien und Macht der Gruppe schützen wird. Das entspricht den USA unter Donald Trump ziemlich exakt." Was könnte helfen? "Am Ende des 19. Jahrhunderts war die Situation ähnlich: Die Ungleichheit war enorm, die Superreichen hatten sich vom Rest der Gesellschaft entkoppelt. An einem bestimmten Punkt hat die Öffentlichkeit nicht mehr mitgemacht. Es gab Proteste, Streiks, guten Journalismus. Das beeinflusste die Politik, die Normen veränderten sich - dieses Mal zum Positiven. Die Folge war ein Jahrhundert des Wohlstands für die USA. Ich glaube, dass das erneut gelingen kann. Aber dafür braucht es neue Gesetze. Eine Reichensteuer ist kompliziert, man sollte eher damit beginnen, die zahlreichen Steuerschlupflöcher zu schließen. Auch eine höhere Erbschaftsteuer wäre hilfreich. Wir müssen den Kapitalismus vor dem Suizid bewahren. Wenn wir das nicht reparieren, wird es im Desaster enden." Unser Resümee
9punkt 08.04.2026
"Wir leben bereits in einer Oligarchie", stellt der Journalist Evan Osnos, der in seinem neuen Buch die Welt der Superreichen ergründet, im Zeit online-Interview fest: "Mein Eindruck ist, dass die USA schon immer so angelegt waren. Aber wir haben uns entwickelt: von einer zivilen zu einer sultanistischen Oligarchie. Das heißt, die wohlhabende Klasse erlaubt einem ihrer Vertreter zu herrschen, weil er die Privilegien und Macht der Gruppe schützen wird. Das entspricht den USA unter Donald Trump ziemlich exakt." Was könnte helfen? "Am Ende des 19. Jahrhunderts war die Situation ähnlich: Die Ungleichheit war enorm, die Superreichen hatten sich vom Rest der Gesellschaft entkoppelt. An einem bestimmten Punkt hat die Öffentlichkeit nicht mehr mitgemacht. Es gab Proteste, Streiks, guten Journalismus. Das beeinflusste die Politik, die Normen veränderten sich - dieses Mal zum Positiven. Die Folge war ein Jahrhundert des Wohlstands für die USA. Ich glaube, dass das erneut gelingen kann. Aber dafür braucht es neue Gesetze. Eine Reichensteuer ist kompliziert, man sollte eher damit beginnen, die zahlreichen Steuerschlupflöcher zu schließen. Auch eine höhere Erbschaftsteuer wäre hilfreich. Wir müssen den Kapitalismus vor dem Suizid bewahren. Wenn wir das nicht reparieren, wird es im Desaster enden." Unser Resümee
9punkt 25.02.2026
Noch nie in der Geschichte war die Vermögenskonzentration so hoch wie heute, erklärt der Journalist Evan Osnos, der ein Buch über Superreiche geschrieben hat, im Welt-Interview. Auch der politische Einfluss der Milliardäre steigt weiter: "2004 spendeten Milliardäre rund 25 Millionen Dollar für Präsidentschaftswahlen in den USA. 2024 lagen ihre Beiträge bei über 3 Milliarden Dollar - eine Steigerung um ein Vielfaches. Damit verschiebt sich das Machtgefüge. Wir bewegen uns in Richtung einer 'sultanistischen' Oligarchie: einer Ordnung, in der extreme Vermögen nicht nur wirtschaftliche, sondern faktisch souveräne politische Macht verleihen." Unser Resümee