Eva von Redecker

Dieser Drang nach Härte

Über den neuen Faschismus
Cover: Dieser Drang nach Härte
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2026
ISBN 9783103977240
Gebunden, 272 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Es geht ein Rechtsruck um die Welt, überall gewinnen autoritäre Kräfte an Macht und Einfluss. Und doch laufen die ewig bemühten Analogien zur Zeit des Nationalsozialismus ins Leere: Der Faschismus der Gegenwart hat eine neue Gestalt, die nicht leicht zu erkennen und noch schwerer zu erklären ist. In Redeckers wegweisender Analyse gewinnt sein diffuses Wesen an Kontur - und wird angreifbar. Seinen Kern verortet sie in der Beschwörung eines unbedingten Besitzanspruchs, dessen Verteidigung über Leichen geht. 

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.03.2026

Rezensent Joachim Käppner versteht gut, dass die Philosophin Eva von Redecker den Begriff des "Faschismus" genauer definieren möchte, um ihn abzugrenzen von den Kampfvokabeln, mit denen sich die Kontrahenten in den Meinungsschlachten mittlerweile gewohnheitsmäßig gegenseitig überziehen. Bei der von Redecker ins Spiel gebrachten Konzeption der "absoluten Sachherrschaft" erkennt der Rezensent allerdings eine neomarxistische Anmutung, die auch dem Liberalismus skeptisch gegenüberstehe und damit der gesellschaftlichen Mitte wenig Raum zur Verteidigung der Demokratie lasse. Auch Redeckers romantische Sicht auf die Pariser Kommune oder die "Schönheit linker Positionen" findet Käppner fragwürdig. Am Ende aber scheinen ihm die eigenen Einwände gar nicht so gravierend, und er lobt das Buch als klug, geistreich und anspruchsvoll.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 14.03.2026

Rezensentin Henriette Hufgard kann sehr viel anfangen mit Eva von Redeckers neuem Buch. Das ist einem neuen Faschismus gewidmet, den Redecker in der Gegenwart und der Zukunft verortet, nicht in der Vergangenheit. Tatsächlich wendet sich Redecker gegen ein Denken, das Faschismus immer nur am Maßstab der NS-Zeit misst. Vielmehr geht es ihr um ein neues Denken von Zeitlichkeit, das sie mit einem Begriff Ernst Blochs als Unzeit auf den Punkt bringt. Den verschwindenden Zukunftshorizonten der neoliberalen Gegenwart entspringt der Faschismus laut Redecker dann, wenn einzelne eben daraus noch Gewinn schlagen, und zwar zuvorderst in Form von Eigentumsakkumulation. So beschreibt Redecke, wie Kapitalismus und Faschismus zusammenhängen - Letzterer geht aus Ersterem nicht zwingend hervor, aber anders herum ist Kapitalismus eben doch eine notwendige Voraussetzung für Faschismus. Das mit Gedanken aus der Kritischen Theorie, der Klimawissenschaft und anderen Zusammenhängen angereicherte, "zwischen politischer Streitschrift, theoretischer Verdichtung und poetischer Feinfühligkeit" mäandernde Buch ist, findet Hufgard, augenöffnend in seiner Klarheit - und durchaus eine relevante Antwort auf die Härten, mit denen wir in der Gegenwart uns konfrontiert sehen.

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