Eva Schweitzer

Amerika und der Holocaust

Die verschwiegene Geschichte
Cover: Amerika und der Holocaust
Knaur Verlag, München 2004
ISBN 9783426777848
Kartoniert, 400 Seiten, 12,90 EUR

Klappentext

Amerika galt lange als Hort der Freiheit und der Demokratie. Tatsächlich aber haben die Vereinigten Staaten bis in die 40er Jahre hinein mit dem Dritten Reich paktiert. Ein paar Beispiele: Die restriktive Einwanderungspolitik der US-Regierung kostete Zehntausende jüdischer Flüchtlinge das Leben. Die Union Banking Corporation von George W. Bushs Großvater finanzierte die Aufrüstung der Wehrmacht, zudem war er Mitinhaber einer Fabrik, die in Auschwitz Stahl produzierte. Ford, General Motors und die Standard Oil der Rockefellers verkauften Fahrzeuge und Flugbenzin an die Wehrmacht. Ein erschütternder Report aus der dunklen Vergangenheit der USA.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 05.03.2005

Als Spekulation auf eine große Leserschaft sei diese Studie gewiss gelungen, meint süffisant der Rezensent Ralf Hanselle. Holocaust plus Amerika-Kritik, das müsse ja in der derzeitigen Stimmung verfangen. Viel Neues aber habe die Autorin nicht mitzuteilen. Wie rigide die Einwanderungsgesetze Anfang der Dreißiger Jahre von den USA gehandhabt wurden, das ist, so Hanselle, nun wirklich schon länger bekannt. Nicht uninteressant findet der Rezensent immerhin das Kapitel zur Verquickung von Nazi-Konzernen und Bush-Clan, insgesamt aber scheint ihm der Band vor allem bedenklich, weil er eines immer wieder aus den Augen verliert: "Das Copyright an der industriellen Vernichtung von Menschen wird noch immer hier gehalten."

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.01.2005

Eindeutig überhoben hat sich Eva Schweitzer nach Ansicht der Rezensentin Karina Umbach, die dieses Buch mit deutlichem Unbehagen zur Kenntnis genommen hat. Nach Umbachs Rezension drängt sich der Eindruck auf, als hätte hier jemand mit Fundstücken aus der rechtsradikalen Mottenkiste linke Feindbilder ausgeschmückt. Nach Umbachs Darstellung sichtet Schweitzer in ihrem Buch die Kollaboration amerikanischer Unternehmen mit dem NS-Regime und kommt zu dem Ergebnis, dass es ohne amerikanische Finanzierung keinen Hitler gegeben hätte, erklärt Urbach nahezu fassungslos. Besonders hervorgehoben würden die Rolle Rolle des Bankiers Prescott Bush (Großvaters des jetzigen Präsidenten) und der Antisemitismus des Autobauers Henry Ford. Ein weiteres Kapitel widme sich der rigiden Einwanderungspolitik der USA, die Juden die Einreise sehr schwer machte. Auch hier vermisst Urbach bei Schweitzer jegliches Gespür für die Komplexität der Materie.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 22.12.2004

Nicht wirklich überzeugt ist Bernd Greiner von diesem Buch von Eva Schweitzer, das neuere Forschungen zur späten Intervention der USA im Zweiten Weltkrieg "penibel" zusammenfasst. Jenseits der engen Grenzen der Fachpublizistik sei es der Autorin gelungen, ein populäres Buch zum Thema zu schreiben. Dubiose Geschäftspraktiken multinationaler Konzerne mit deutschen Geschäftspartnern, der Antisemitismus der amerikanischen Gesellschaft, frühzeitiges Wissen um die Vernichtungslager ohne militärisches Eingreifen, sprich alles, was bevorzugt amerikanische Wissenschaftler jüngst in Einzelstudien untersucht haben, ist in Schweitzers Publikation vorhanden. Soweit, so verdienstvoll. Problematisch wird es für den Kritiker, wenn die Autorin überzogene und sachlich nicht begründete Wertungen anbringt, etwa wie die schauerliche These, Hitlers Aufstieg wäre ohne Wall Street und Kredite von US-Banken nicht möglich gewesen. Abwegig findet er auch den Vorwurf, dass es 1939 noch keine anklagenden Holocaust-Filme gegeben habe. Und dass Schweitzer den Rüstungsgeschäften der Familie Bush so unglaublich viel Aufmerksamkeit widmet, ist für Greiner Beleg eines verkaufsfördernden Populismus. Außerdem: So "verdienstvoll" Schweitzers Übersicht sei, so begrenzt "erscheint der Wert eines abermaligen Nacherzählens des Skandals".
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