Die öffentlichen Debatten um Konsens- versus Konfliktdemokratie, Ende oder Umbau der Sozialpartnerschaft, Geschichtsleugnung versus Vergangenheitsbewältigung, Rechtspopulismus oder "Feschismus", Neoliberalismus versus dem österreichischen Modell des Wohlfahrtstaates und so weiter. indizieren massive Umbrüche im Selbstverständnis und in der Fremdwahrnehmung Österreichs. Dieses Buch eröffnet den Leserinnen und Lesern neue Aspekte der österreichischen Geschichtsbetrachtung.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 15.02.2003
Der von Lutz Musner, Gotthart Wunberg und Eva Cescutti herausgegebene Essayband "Gestörte Identitäten?", der Österreichs Zweite Republik kritisch unter die Lupe nimmt, hat Paul Jandl vollauf überzeugt. Mit tief reichenden Unklarheiten über die eigene Identität hebe die Geschichte der Zweiten Republik Österreichs nach dem Zweiten Weltkrieg an. Der Bogen der Versuche, ein positives Selbstverständnis zu entwickeln, beginne mit den Gefühlssurrogaten der Heimatfilme und ende in den spätestens von Waldheim ausgelösten Debatten um die österreichische "Vergangenheitsbewältigung", hält der Rezensent fest. Vor diesem Hintergrund widmen sich die Autoren des Bandes laut Rezensent den nationalen Symbolen, dem Österreichischen Rundfunk oder dem österreichischen Populismus als erfolgreichen Versuch, kritische Öffentlichkeit zu unterlaufen. Autoren wie Thomas Macho, Armin Thurnher, Ernst Hanisch oder Franz Schuh analysieren die anhaltenden "Widersprüche im Identitätstheater" zur Freude des Rezensenten in "aller Brillanz einer an Österreich geschärften Wahrnehmung". In ihrer "essayistischen Präzision" bringen sie nach Ansicht des Rezensenten die Paradoxien des Österreichischen dabei besser auf den Punkt bringen als manch weitschweifige Analyse.
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