Eugeniusz Tkaczyszyn-Dycki

tumor linguae

Gedichte
Cover: tumor linguae
Edition Korrespondenzen, Wien 2015
ISBN 9783902951052
Gebunden, 224 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Zweisprachige Ausgabe Polnisch/Deutsch. Aus dem Polnischen von Michael Zgodzay und Uljana Wolf. Mit einem Nachwort von Michael Zgodzay. Er ist von allem fasziniert, was wir gern ausschließen und als unrein erklären. Es ist der Schmutz, durch den sich seine Lyrik hindurcharbeitet. Eugeniusz Tkaczyszyn-Dycki, eine der großen unverwechselbaren Stimmen der europäischen Poesie, wählt gesellschaftliche Randzonen als Schauplätze seiner Gedichte: Sterbezimmer, Friedhöfe, Stricherbars, Bahnhofstoiletten, Krankenhäuser, verlassene Orte. An ihnen konzentrieren sich zentrale Momente seines Lebens, wie Schizophrenie und Tod der Mutter, das Sterben seines Freundes Leszek oder homosexuelles Begehren. Manisch obsessiv kreisen seine Gedichte um diese Motive. In immer neuen Anläufen, durch Wiederaufnehmen von Versen und Satzfragmenten versuchen sie ins Zentrum des Nichtfassbaren vorzudringen - als würde Dycki ein einziges Gedicht schreiben, das immer wieder neue Gestalt annimmt. Mal düster, mal beschwingt, pendeln diese vielstimmigen Lieder zwischen Wohlklang und Derbheit, zwischen der Scheu sich zu zeigen und dem Sich-zeigen-Müssen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 16.04.2016

Wer Eugeniusz Tkaczyszyn-Dyckis Verhältnis zu seinen Gedichten verstehen will, der sehe sich eines der Videos von seinen Vorträgen an, rät Nico Bleutge. Der Dichter wirkt dort wie in Trance und die Gedichte laden mit ihren variierenden Wiederholungen auch wirklich dazu ein, findet der Rezensent. Eines von Tkaczyszyn-Dyckis großen Themen ist die Ausgrenzung aus jedwedem Grund, sei es Sprache, Sexualität, Abstammung oder Beruf, erklärt Bleutge. Besonders beeindruckend findet der Rezensent auch die Übersetzung von Michael Zgodzay und Uljana Wolf, die ihre liebe Mühe gehabt haben müssen mit den polnischen Klangspielen Tkaczyszyn-Dyckis. Wer sich von der Warnung des Dichters gleich zu Beginn nicht abschrecken lässt - "gib dich lieber lastern hin / statt dem geruch muffelnder gedichte", zitiert Bleutge - wird belohnt, verspricht der Rezensent.
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