Aus dem Englischen von Anke und Eberhard Kreutzer. Lily, eine junge Studentin, ist dem großen Architekten Klaus Lehmann auf der Spur. Seine Lebensgeschichte führt sie in das schöne entlegene Dorf Steerborough, an der lichtüberfluteten Küste Suffolks. Dort sind es die leidenschaftlichen Liebesbriefe, die Lehmann über Jahrzehnte an seine Frau Elsa schrieb, die sie gefangen nehmen und immer weiter in das Schicksal der beiden zurückführen, ein Schicksal, das zutiefst mit Steerborough verbunden ist. Allmählich setzt sich ein Mosaik von Passion und Verrat, von preisgegebener und wieder gefundener Nähe zusammen, und Lily sieht sich unausweichlich mit ihren eigenen Sehnsüchten konfrontiert. Und auch die komplizierten Telefonate mit Nick, ihrem Geliebten im fernen London, lassen sie dieses unerfüllte Verlangen nur noch deutlicher spüren.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.02.2006
Gregor Schuhen meint, dass eine "unbefangene Lektüre" der Bücher von Esther Freud aufgrund ihrer Ahnenreihe - sie ist Urenkelin Sigmund Freuds, Enkelin des Architekten Ernst Freud und Tochter des Malers Lucian Freud - "nahezu unmöglich" ist und stellt dennoch begeistert fest, dass sich die englische Autorin mit diesem Roman vom "Ballast" ihrer Vorfahren frei machen konnte. "Das Haus am Meer" handelt von der Architekturstudentin Lily, die in dem idyllischen Küstenort Steerborough über den deutsch-jüdischen Architekten Klaus Lehmann schreiben will, fasst der Rezensent zusammen. Gleichzeitig Liebesgeschichte, Künstlerporträt und "Emigrantendrama", ist der Roman besonders wegen der "eindringlichen" Schilderung deutscher Auswandererschicksale "lesenswert", lobt der Rezensent. Zwar greife die Autorin bei der Auswahl ihrer Figuren unbefangen auf "Familienerbstücke" zurück, indem sie sie auf den Gebieten der Malerei, der Architektur und der Psychoanalyse ansiedelt, aber dies wirke "nie aufgesetzt". Lediglich die parallelen Liebesgeschichten zwischen der Frau des Architekten zu einem Maler und Lily zu einem Nachbarn im Küstenort sind ihm zu "holzschnittartig" und wirken seiner Ansicht nach "zu bemüht", was aber seinem Urteil, es hier mit einem "gelungenen Roman" zu tun zu haben, keinen Abbruch tut.
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