Aus dem Italienischen von Helmut Moysich. Ein flirrend klarer, strahlender Novembertag, hoch in den Bergen. Zum letzten Mal nimmt der alte Wilderer den steinigen Weg auf sich: Über dreihundert Tiere hat er im Lauf seines Lebens erlegt, lange schon lebt er als Eremit. Nur ein einziges fehlt ihm noch: Der König der Gemsen, dieses starke, beinahe unbezwingbare Tier, dessen Mutter er einst ins Tal wuchtete. Im Tal hängen schon die Nebel und die Menschen gedenken ihrer Toten, wenn für das Wild die Zeit des Aufbruchs und der Revierkämpfe beginnt. Der Zeitpunkt ist gekommen für das seit Jahren aufgeschobene, letzte Duell. Zwei Einzelgänger, ähnlich willensstark und kompromisslos, Mensch und Tier, bewegen sich langsam und unausweichlich aufeinander zu. Am Ende ist es ein weißer Schmetterling, zu Eis gefroren auf dem Horn des Gamsbocks, der für den schicksalhaften Ausgleich sorgt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.01.2012
Fasziniert hat Rezensentin Anja Hirsch Erri de Lucas Roman "Das Gewicht der Schmetterlinge" gelesen, dem sie trotz seiner Kürze "Hemingway'sche Tiefe" attestiert. Parabelhaft erscheint ihr der Text, in dem Luca einmal mehr den Kampf des Menschen mit der Natur verhandelt. Ebenso sinnlich wie "berührend" einfach erzähle der italienische Autor die Geschichte eines alten Wilddiebes, dem nach dreihundert getöteten Tieren nur noch ein alter Bock in seiner Trophäensammlung fehlt. Zwar muss die Kritikerin über die ein oder andere allzu pathetische Stelle hinwegsehen, in Anbetracht der von Luca heraufbeschworenen herausragenden, bewegenden und fast "biblischen" Bilder tut sie das aber nur zu gerne.
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