Herausgegeben, kommentiert und mit einem Nachwort versehen von Christian Eger. Der Text folgt der Erstausgabe von "Ruhe und Ordnung" im Malik Verlag von 1929, die 1933 von den Nazis öffentlich verbrannt wurde. Die Schilderungen des aktiv am Kapp-Putsch 1920 in Halle beteiligten Zeitfreiwilligen Ernst Ottwalt (1901-1943), mit bürgerlichem Namen Ernst Gottwalt Nicolas, werden von Christian Eger kritisch aufbereitet, der den Spuren der Ottwalt-Biografie mit geradezu detektivischem Ansatz nachgeht. Ottwalts politische Entwicklung ist von einem radikalen Seitenwechsel geprägt: Als Abiturient schloss er sich 1919 zunächst den deutschnationalen Freikorps-Kämpfern an. Im Verlauf der Weimarer Republik wurde er Kommunist, trat der KPD und dem Bund proletarisch-revolutionärer Schriftsteller (BPRS) bei; 1943 starb er im sowjetischen Gulag. Weniger bekannt dürfte sein, dass Ernst Ottwalt 1932 mit Bertolt Brecht das Drehbuch zum Arbeiterfilm "Kuhle Wampe oder: Wem gehört die Welt?" verfasste.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 31.07.2015
Hans Christoph Buch freut sich, dass Ernst Ottwalts Erstling "Ruhe und Ordnung" von 1929 wieder zu lesen ist, noch dazu hervorragend kommentiert von Herausgeber Christian Eger. Ottwald war in Vergessenheit geraten, nachdem er eine ziemlich holprige Fahrt durch die Ideologien des Zwanzigsten Jahrhunderts durchgemacht hatte und entweder mit seiner frühen Kaisertreue, dem späteren Rechtsradikalismus oder dem noch späteren Kommunismus bei so ziemlich allen in Ungnade gefallen war, weiß der Rezensent. Der Roman beschreibe aber so treffend die historische Situation der frühen Zwanzigerjahre, "die selbstverständliche Sympathie für Bügelfalte und Oberhemd" und die "dumpfe Angst vor dem Haufen", dass sich die Wiederentdeckung des literarischen Werks Ottwalts allemal lohnt, findet Buch.
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