"Der Rand produziert (Stil), der Mainstream konsumiert (ihn auch) und der Markt dazwischen ist auch noch für irgendetwas da."
Am gesellschaftlichen Rand versammeln sich Subkulturen und Jugendkulturen. Ökonomisch gesehen stellt er also Risikogebiet dar: häufig niedriger Bildungsstand, verbreitet Arbeitslosigkeit, dafür hohe Sozialkosten - kurz: reiner Kostenfaktor in der Gesamtbilanz. So die eine Sicht. Eine andere erkennt, dass der innovationswirksame Wandel des Zeitgeistes vom Rand her befeuert wird, kaum von der "tragenden" Mitte der Gesellschaft. Habitus, Lebensstil, Mode als Rebellion - das funktioniert so lange, bis der Mainstream zugreift, Versatzstücke der Gegenkultur übernimmt und sich als neuen Trend einverleibt. Damit ist der Lauf der Kommerzialisierung eröffnet und der Rand gezwungen, Neues zu produzieren. Sonst funktionieren seine gegenkulturellen Botschaften nicht mehr. Also doch nicht nur Kostenfaktor?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.10.2016
Georg Giersberg kann sich zwar nicht vorstellen, dass der Volkswirt Ernst Mohr mit seinem Modell einer Alternativökonomie das herkömmliche mikroökonomische Theoriegebäude zu Fall bringen kann, Mohrs Ausführungen über den produktiven, unbezahlten Rand der Gesellschaft findet er dennoch anregend. Ob nun die Goldgräber oder die Jugend mit ihren Modevorlieben, die kopiert werden und in die Kaufhäuser wandert - für Mohr, erklärt Giersberg, liegt hier nicht weniger als ein Treibstoff des Wachstums. Giersberg selbst wünscht sich nur, dass dieser Rand auch alternativ bleibe.
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