Karl Siebengartner

Punk(s) in der Bundesrepublik Deutschland

Anatomie einer Bewegung, 1976-1995. Diss.
Cover: Punk(s) in der Bundesrepublik Deutschland
Transcript Verlag, Bielefeld 2025
ISBN 9783837675733
Kartoniert, 366 Seiten, 39,00 EUR

Klappentext

Punk war in Deutschland auch über die 1980er-Jahre hinaus eine bestimmende Jugend- und Subkultur. Anhand bisher kaum ausgewerteter Selbstzeugnisse rekonstruiert Karl Siebengartner die Erfahrungen von Punks in der Bundesrepublik von 1976 bis 1995. Darüber hinaus zieht er komplementäre Quellenbestände heran, um die Jugendlichen in den politischen und massenkulturellen Kontexten zu situieren. Durch den kultur- und sozialgeschichtlichen Zugang tritt die Jugendkultur als komplexe, alltägliche Lebenswelt und als Projektionsfläche gesellschaftlichen und medialen Wandels im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts hervor.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.03.2026

Wer bei Punk an Nietengürtel, Lederjacke und waghalsige Frisuren denkt, greift auf Klischees aus der Mottenkiste zurück, stellt Rezensent Timo Frasch nach der Lektüre von Karl Siebengartners Doktorarbeit über Punk in der Bundesrepublik fest. Kenntlich werde Punk darin nämlich als hochdynamische, immer auch mit sich selbst und ihren eigenen ästhetischen und lebensweltlichen Strategien hadernde Jugendbewegung, die mehr als andere aus dem eigenen Milieu in Gesellschaft und Kultur abgestrahlt hat. Sehr dankbar ist Frasch dem Historiker, das hier nicht einmal mehr alte Szenerecken Anekdoten zum Besten geben, sondern die Szene anhand von historischen Dokumenten wie Fanzines über sich selbst Auskunft geben darf. Gerade deren "editorische Rotzigkeit" ist es, die ihn nachvollziehen lässt, dass Punk vor allem Arbeit am Selbstentwurf war, die sich in zahlreichen gesellschaftlichen Spannungsfeldern vollzog: Massenkultur und Individuum, Ernst und Ironie, Erfolg und Underground-Idealismus, Öffentlichkeit und Subkultur, Provokation und Leistungsgesellschaft, nicht zuletzt Konflikte mit der Polizei - immer wieder aufs Neue reagiert Punk, lotet Möglichkeiten aus, verortet sich selbst neu, lernt Frasch. Politisch links sei Punk dabei gar nicht mal per se, den Theorie-Bürokraten der politisch Linken ziehe Punk die ziellose Revolte jederzeit vor, nimmt der Rezensent als Erkenntnis mit - wie auch den für einen FAZ-Rezensenten verblüffenden Umstand, dass "MRR" auch mal für etwas anderes als "Marcel Reich-Ranicki" stand, nämlich für "Maximumrocknroll", ein für die Punkgeschichte zentrales US-Fanzine.