Erik Wegerhoff

Das Kolosseum

Bewundert, bewohnt, ramponiert
Cover: Das Kolosseum
Klaus Wagenbach Verlag, Berlin 2012
ISBN 9783803136404
Gebunden, 240 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Mit 55 Abbildungen. Das Kolosseum kennt jeder. Selbst wer noch nie in Rom war, hat das riesige Gemäuer vor Augen: Es ist der Inbegriff des antiken Rom. Dabei war das monumentale Amphitheater seit dem Untergang der altrömischen Kultur eine dauernde Baustelle. Im Mittelalter verwandelte man seine Gewölbe in Wohnungen, Läden und Werkstätten - und einige davon in den Wohnsitz der mächtigen römischen Adelsfamilie Frangipane. Die Päpste residierten zu dieser Zeit in der nahegelegenen Lateransbasilika, und der Sitz der Frangipane diente ihnen nicht selten als strategisch günstiger Fluchtort. Im 16. Jahrhundert setzte sich die Idee vom Kolosseum als Leidensort christlicher Märtyrer durch, weshalb der gesamte Bau in eine gigantische Kirche umgewandelt werden sollte. Die Pläne scheiterten, doch legte man einen Kreuzweg entlang der Arena an und weihte das Kolosseum den frühchristlichen Glaubenskämpfern. Die Grand Tourists des 18. Jahrhunderts erkannten in dem verfallenen Gemäuer schließlich eine arkadische Landschaft, die sie dank der auf den Ruinen üppig wuchernden Pflanzen in ihre eigene Ideal-Antike versetzte. Erik Wegerhoff erzählt - und illustriert! - die wechselvolle Geschichte des Kolosseums, das man irrtümlicherweise schon zu kennen glaubte ...

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.09.2012

Rezensent Gustav Seibt findet die Geschichte des römischen Kolosseums durchaus spannend, mit dem Buch von Erik Wegerhoff hat er jedoch seine Probleme. Man erfahre darin zwar viel Interessantes, aber der Autor habe versäumt, die einfachen Fragen zu berücksichtigen: Wann wurde das Kolosseum gebaut und wie lange wurde daran gearbeitet? Wie viele Menschen passen hinein? (72 nach Christus, acht Jahre, fünfzigtausend). Wegerhoff beschäftige sich stattdessen mit der Nutzung des Gebäudes durch die Jahrhunderte. Das Amphitheater wurde im Mittelalter zum gewaltigen Mietshaus, zur Festung, zur Herberge katholischer Kapellen und zum Ziel neugieriger Bildungsreisender. Seibt lobt allerdings Wegerhoffs Auswahl von Zitaten aus klassischen Texten, mit denen er seine Beschreibungen bestückt. Schade sei aber, dass man das Buch nur mit Nachschlagewerken lesen könne, wenn man nicht schon vorher gut mit Roms Geschichte und Stadtplan vertraut sei.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.03.2012

Ausgesprochen gefesselt hat Dieter Bartetzko diese Geschichte des Kolosseums gelesen. Der Architekt Erik Wegerhoff erzählt darin nicht nur von seiner Erbauung durch Kaiser Vespasian, der damit nach der Tyrannenzeit an die stabile Pax Augusta anknüpfen wollte, Bartetzko lernt auch viel über die Geschichte dieses Monuments nach Zerfall des römischen Reichs, wie er angeregt berichtet. Etwa dass selbst ein Barbar wie der Gote Theoderich die Gladiatorenkämpfe und Tierjagden "bestialisch fand", sie den Römer aber trotzdem weiterhin erlaubte; dass im Mittelalter der Adel das Kolosseum bezog; und dass schließlich mit Garibaldi das Bauwerk von allen nachträglichen Umbauten befreit und zu einer rein antiken Ruine wurde.
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