Emily Dickinson

Wilde Nächte

Ein Leben in Briefen
Cover: Wilde Nächte
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2006
ISBN 9783100139078
Gebunden, 432 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Uda Strätling. Emily Dickinson ist die größte Dichterin Amerikas, aber für ihre Zeitgenossen war sie auch die unbekannteste: von ihren über 1780 Gedichten wußte nur eine Handvoll Menschen. Während die Eisenbahnen den Wilden Westen erschlossen und die Träume von Fortschritt den Kontinent kleiner werden ließen, lebte sie zurückgezogen im Haus ihrer Eltern. Nur einen großen Hund an der Seite, schrieb sie einsam und beharrlich an einem Werk, dessen dunkles Leuchten und ekstatisches Glücksverheißen eines der großen Wunder der amerikanischen Literatur ist. Emily Dickinsons Briefe sind Wünschelruten, mit denen sie um Antworten warb, Selbstgespräche und Selbstvergewisserung zugleich: sie werfen Licht auf das Rätsel ihres Lebens, das wie kein zweites einer Dichterin herausfordert und fasziniert.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 06.01.2007

Eines stellt die Rezensentin Angela Schader gleich zu Anfang klar: Emily Dickinsons Briefe sind mehr als nur "informativer Hintergrund" zu ihrem lyrischen Werk. Schon in den frühen Briefen zeige sich Dickinsons "sprachlicher Formwille" und der für sie charakteristische "Widerstandsgeist". Richtiggehend fasziniert hat die Rezensentin, wie die Dichterin im brieflichen Gespräch mit ihren verschiedenen Adressaten ganz unterschiedliche "Personae" herausbildet. Zu einem tiefergehenden Verständnis der Briefwechsel, so die Rezensentin, verhelfen sowohl die von der Herausgeberin und Übersetzerin Uda Strätling vorgenommenen Annotationen als auch die ausführlichen Porträts der Adressaten am Ende des Bandes. Weiterhin rätselhaft jedoch, merkt die Rezensentin an, ist die Identität des "Masters", an den Dickinson leidenschaftlich bewegte und dabei höchst kunstvolle Briefe richtete. Abgesehen vom unsäglichen Titel "Wilde Nächte" hat die Rezensentin die Nähe dieser "hellsichtigen, großherzig liebenden Ketzerin" sehr genossen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 20.12.2006

"Spät erst erlebte Emily Dickinson die Liebe, früh schon den Tod". Der poetische Funke, den Uta Beiküfner in vielen von Dickisnsons Briefen ausmacht, scheint sie ebenfalls zügig in Brand gesteckt zu haben. "Wunderbar" sei dieser Briefband, nicht nur die Briefe selbst, sondern auch alles Andere, vom "kenntnisreichen" Vorwort über die gelungene Übersetzung und "vorzügliche" Kommentierung bis zur Zeittafel am Ende des Buches, die die noch ausstehende deutsche Biografie der Dichterin vorläufig ersetzt. Nur in ihren Briefen hat Dickinson ihr soziales Leben verbracht und sich zudem sprachlich ausprobiert, was die Rezensentin trotz oder gerade wegen der allgegenwärtigen "Überspanntheit" fasziniert. Oder, um es mit Beiküfners Worten auszudrücken: "Hier leidet sie, liebt sie, lebt sie."

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 07.12.2006

Für Rezensentin Iris Radisch ist die amerikanische Lyrikerin Emily Dickinson "eine der rätselhaftesten Autorinnen, die je gelebt haben". Umso mehr freut sie sich, dass Gunhild Kübler aus den zahlreichen Briefen, die Dickinson hinterlassen hat, 270 ausgewählt und zu einem Band zusammengefasst hat, der zudem "vorzüglich kommentiert" ist. Dass sich in Dickinsons Leben so manches Drama abgespielt hat, könne man erkennen, doch worin dieses Drama liegt, bleibe Spekulation. Denn die Briefe im "atemlosen Flatterstil" ähnelten den Gedichten der Amerikanerin, "verstörend und majestätisch", meint die Kritikerin. Erschütternd findet sie die "Dunkelheit" in den Texten, die "Kniefälligkeit der verstörten höheren Tochter", wie sie zum Beispiel in einem Brief an einen unbekannten Mann zum Ausdruck komme. Doch diesen Eindruck macht die Autorin ihrer Meinung nach schnell wieder wett: durch das "Anarchische und Himmelsstürmende" ihrer Briefe.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.11.2006

Rezensent Heinz Schlaffer begrüßt es außerordentlich, dass parallel zur großen zweisprachigen Lyrikedition auch Emily Dickinsons Briefe erschienen sind. Denn dadurch werde sichtbar, dass sich ihre "Briefe wie Gedichte" und ihre "Gedichte sich wie Briefe" lesen. In beiden Fällen gewann der Rezensent den Eindruck von "überstürzter Mitteilung zufälliger Notizen", die "wie von selbst" zu Lyrik werden. Dem ursprünglichen Zauber von Emily Dickinsons detailreicher Sprache, die aus seiner Sicht die "archaischen Elemente der Poesie" an sich freilegt, erliegt der Rezensent ebenso wie den hohen Anforderungen an Intellekt und Interpretationsvermögen.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.10.2006

Dass Emily Dickinson eine leidenschaftliche Briefeschreiberin war, geht für den Rezensenten Harald Hartung aus Dickinsons - von Uda Strätling zusammengestelltem - Leben in Briefen eindeutig hervor. Bei der Lektüre der rund 270 Briefe fällt ihm auf, dass es für Dickinson zwischen der lyrischen und der epistolaren Gattung offenbar keinen Bruch gibt. Im Gegenteil: In ihren "ausgefeilten" Briefen (unter denen der Rezensent besonders die herzerfrischend gewitzten Liebesbriefe goutiert) fließe die Sprache wie ein lyrisch anmutender rhythmischer Fluss. "Wilde Nächte" liefert dem Leser einen Einblick in die Lebenswelt und in die "faszinierende intellektuelle Physiognomie" der zurückgezogen lebenden Dichterin, sowie in die enorme Wirkung, die sie auf Menschen ausübte. Dies gelingt auch dank der von Strätling mitgelieferten biografischen Informationen über die Dichterin und ihre brieflichen Gesprächspartner, resümiert der beglückte Kritiker und lyrische Kollege Hartung. Gleichzeitig empfieht er Gunhild Küblers Neuübersetzung von Dickinsons Gedichten im Hanser-Verlag.

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