Berlin Verlag, Berlin 2026
ISBN
9783827015112 Gebunden, 240 Seiten, 24,00
EUR
Klappentext
Aus dem Englischen von Verena von Koskull. In diesem modernen Klassiker erzählt Elspeth Barker die Geschichte einer gescheiterten Erziehung. Janet wächst in den Vierziger- und Fünzigerjahren des letzten Jahrhunderts im rauen, schottischen Norden auf, auf dem abgelegenen Familiensitz inmitten von Wäldern und Schluchten. Sie ist temperamentvoll und eigensinnig, eine hochbegabte Außenseiterin. Weil sie bei ihrer Familie ständig aneckt, sucht sie irgendwann Trost in der Literatur und der Natur. Nur in ihrer exzentrischen Tante Lila glaubt sie eine Verbündete zu haben.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 21.08.2026
Diesem Roman steht Klassikerstatus zu, findet Rezensentin Sylvia Staude - und zwar nicht nur in Schottland, wo sowohl seine Autorin als auch deren junge Heldin Janet aufgewachsen sind. Als eine "Büchernärrin" beschreibt Staude diese Heldin, eine Sprachkennerin, Einzelgängerin, eine, die alles liebt, was andere Kinder ihres Alters anödet oder ekelt, kurz: ein weiblicher Nerd. Der Roman beginnt mit ihrem Tod und endet mit dessen Aufklärung und doch ist es kein Kriminalroman. Vielmehr geht es um das Aufwachsen dieser ungewöhnlichen, eigensinnigen Heldin in einem Umfeld, das für junge Frauen wie sie wenig Verständnis hat. Barker erzählt davon in einer humorvollen und sinnlichen Sprache, frei von Stereotypen und voller überraschender Bilder und Vergleiche. Dabei verbindet sie präzise Schilderungen mit einem feinen Sinn für Ironie und das Groteske, erklärt Staude. Verena von Koskull hat diese Sprache gekonnt ins Deutsche übertragen. Schade, dass Barker trotz der begeisterten Rezensionen und Auszeichnungen nach Erscheinen des Originals 1991 nie einen zweiten Roman geschrieben hat. Eine Erklärung hierfür konnte die beeindruckte Rezensentin nicht finden.
Ziemlich außergewöhnlich findet Kritikerin Katharina Granzin den einzigen Roman der Schottin Elspeth Barker, der wohl viele Anleihen bei ihrem Leben genommen hat: Die Protagonistin Janet wächst in Auchnasaugh auf, einem abgelegenen Ort in den schottischen Highlands, wo nicht nur die Landschaft, sondern auch Janet einsam ist. Auch später, als sie aufs Internat kommt, ist sie fehl am Platz, das Buch wird zum "trotzigen Antierziehungsroman", dem die Autorin "Funken finster blitzenden Humors" beigibt, wie Granzin beeindruckt erzählt. Die innere Verbindung der Protagonistin zur Natur ist eine wichtige Kraftquelle, aus der sich auch die Schönheit des Buches speist, wie die Rezensentin betont, Janet zieht auch eine Dohle auf, mit der sie fortan eng verbunden ist. Granzin liest das Buch nicht nur als faszinierenden Coming-of-Age-Roman, sondern auch als ein gelungenes Porträt eines puritanischen und konformistischen Schottlands in den 1950er und 60er Jahren.
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