Aus dem Englischen von Stephan Glietsch. Wie konnte es so weit kommen? John Niven versucht den Selbstmord seines Bruders zu ergründen. John Nivens persönliche literarische Memoiren erzählen die Geschichte der Brüder Gary und John. Während John sich aus der schottischen Provinz herausarbeitet und eine akademische Laufbahn einschlägt, in Bands spielt, einen gutdotierten Job bei einer angesagten Plattenfirma findet und dann erfolgreicher Romanautor wird, driftet Gary nach dem Abbruch der Schule zusehends ab, verliert den Halt, wird drogenabhängig und begeht 2010 im Alter von zweiundvierzig Jahren Selbstmord. Fortan lebt John mit der quälenden Frage, warum er seinem Bruder nicht hat helfen können, warum er ihn nicht retten konnte und wie es letztlich zu der Tragödie kam. Er begibt sich auf Spurensuche, zeichnet die Lebenswege der beiden so ungleichen Brüder nach, die einst von der gleichen Startposition aus ins Leben sprangen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 08.06.2024
Ganz fabelhaft ist dieses Buch geworden, das John Niven seinem durch Suizid verstorbenen Bruder Gary gewidmet hat, findet Rezensent Joachim Hentschel. Eine Episode um den Besuch einer Kinovorstellung von Spielbergs "Der weiße Hai" erzählt Hentschel ausführlich nach, weil sich in ihr exemplarisch die Verbindung zwischen den beiden Brüdern offenbart, die später ganz unterschiedliche Lebenswege einschlugen - einer als Erfolgsautor, der andere als Kleinkrimineller. In dem Buch erzählt John oft mehr von John als von Gary, stellt Hentschel klar, aber das ist keineswegs ein Nachteil, weil es ohnehin vor allem darum geht, wie man sich im Leben andauernd in anderen Menschen spiegelt, sich an ihnen abgleicht. Das alles ist wunderbar raubeinig erzählt und entwirft ein Bild der britischen Jugendkultur zwischen The Clash und Pillendosen, heißt es weiter. Insgesamt ein wunderbar warmherziges Buch über Geschwisterbeziehungen, freut sich der Rezensent.
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