Else Lasker-Schüler

Else Lasker-Schüler: Werke und Briefe

Kritische Ausgabe. Band 6: Briefe 1893-1913
Jüdischer Verlag, Frankfurt am Main 2003
ISBN 9783633541867
Gebunden, 836 Seiten, 124,00 EUR

Klappentext

Im Auftrag des Franz-Rosenzweig-Zentrums der Hebräischen Universität Jerusalem, der Bergischen Universität Wuppertal und des Deutschen Literaturarchivs Marbach am Neckar heausgegeben von Norbert Oellers, Heinz Rölleke und Itta Shedle.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.01.2005

Gute Nachrichten für Freunde der Dichtung Else Lasker Schülers: die Kritische Ausgabe der Werke der Dichterin schreitet voran. Auch die "Briefe 1893-1913" und die "Briefe 1914-1924" helfen mit, "eine verlässlichere Rezeptionsgrundlage" zu schaffen, als die von Werner Kraft herausgegebene, gekürzte dreibändige Ausgabe von 1962 es vermochte. Nicht nur, dass die Briefe das "dichterische Verfahren" der Lasker-Schüler offenbaren, wie Beate Tröger feststellt, den unablässigen Grenzverkehr zwischen Fakten und Fiktionen; sie lassen sich zugleich lesen als ein "Who Is Who" der damaligen Geistesgrößen, von Karl Kraus und Georg Trakl bis hin zu Martin Buber. Doch hat die Rezensentin auch schlechte Nachrichten. Die "für das Werk so wichtigen textbegleitenden oder -ergänzenden Zeichnungen und Schriftverzierungen" geraten ins Abseits, da die Herausgeber konsequent auf Faksimilierungen verzichten. Das bedroht in Trögers Augen das "Bildhafte und Phantastische des Werks". Auch das Fehlen der Antwortbriefe wird als deutlich spürbarer Mangel notiert.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 23.12.2003

Ihre Briefe und Brieffigurationen wie die orientalische "Prinzessin Tino von Bagdad" oder der "Prinz Yussuf von Theben" sind Markenzeichen der Dichterin Else Lasker-Schüler gewesen, die 1933 emigrierte und 1944 völlig verarmt in Palästina starb. Es sei ein großer editorischer Erfolg, lobt Andreas B. Kilcher, dass die Herausgeber der im Jüdischen Verlag des Hauses Suhrkamp erscheinenden kritischen Werkausgabe mit umfangreichem neuen Material aufwarten könnten. Über die Hälfte der im ersten Briefband übernommenen 638 Briefe und Postkarten seien Neuveröffentlichungen, auch wenn man wohl kaum alles dieser Viele-Briefe-Schreiberin edieren könne. Der vorliegende erste Band dokumentiert Lasker-Schülers Weg von der bürgerlichen in die künstlerische Existenz, ihre Entwicklung zur Lyrikerin, teilt Kilcher mit. Schon früh verwischte die Autorin die Grenzen von Fiktion und Realität, meint er, führte sie imaginäre Figuren in ihre Briefe ein und überführte das Briefgenre in eine literarische Existenz. Einziger Nachteil dieser ansonsten nur lobenswerten Ausgabe, findet Kilcher, sei das völlige Fehlen von Lasker-Schülers Zeichnungen, was umso schmerzhafter sei, weil die Allroundkünstlerin viele ihrer Briefe mit Zeichnungen versehen hatte, die einen "ganz eigenen Zwischenbereich von Text und Bild, Literatur und Kunst" schufen, so der in diesem Punkt enttäuschte und leer ausgegangene Rezensent.