Eliot Weinberger

Vogelgeister

Cover: Vogelgeister
Berenberg Verlag, Berlin 2017
ISBN 9783946334224
Gebunden, 160 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Beatrice Faßbender. In dieser Fortsetzung seiner Sammlung "Das Wesentliche" erzählt Weinberger unter anderem von ausgestorbenen Vögeln Neuseelands, von Reisen auf den Flüssen der Welt, der Mythologie ganz gewöhnlicher Steine, von Träumen von Menschen namens Chang und, ja, von verheirateten Fröschen - wahre Geschichten, so fabelhaft sie auch scheinen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.01.2018

Nico Bleutge ist verzaubert von Eliot Weinbergers Essayistik. Wie ein Bund merkwürdiger Erzählungen erscheinen ihm die ohne Überleitung oder Kommentar, nur mittels Motiven und Wiederholungen verbundenen Texte. Eine Meeresreise aus dem 8. Jahrhundert steht neben chinesischen Miniaturen aus dem 11. Jahrhundert, erklärt er, und keine menschliche Stimme zu hören, eher ein Vogelzwitschern. Weinbergers Ironie macht den Mangel an Festem in diesem Buch für Bleutge gut erträglich. Ein Spiel, ein schillerndes Werk über die Zufälligkeit der Zeichen, staunt der Rezensent, rhythmisch "schön" übertragen von Beatrice Faßbender, meint er.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 18.01.2018

Rezensentin Susanne Mayer rät zur langsamen, weitsichtigen Lektüre der Texte Eliot Weinbergers. Andernfalls könnte dem Leser etwas aus dieser Wundertüte von einem Buch entgehen, fährt die Kritikerin fort, die hier Vogelgezwitscher ebenso lauscht wie sie sich Kirchenliedern, Reisenotizen, Bildern und Beobachtungen aus verschiedenen Jahrhunderten hingibt oder in "kleine Sentenzen zur Farbe Blau" eintaucht. Mehr noch: Wie Weinberger in seiner "Bricolage" Eindrücke seiner zahlreichen Reisen, Bilder aus der von ihm herausgegebenen indischen und chinesischen Literatur und Texte aus verschiedenen Quellen, etwa Zeitschriften oder Kunstkatalogen, zu einem "Sprachkunstwerk" verwebt, verschlägt der Rezensentin schier den Atem. Und mit Beatrice Fassbender hat Weinberger eine Sparringspartnerin gefunden, die seine Poesie brillant ins Deutsche überträgt, lobt sie.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 25.10.2017

Mit Absicht lässt Eliot Weinberger die arrangierten Zitat-Schnipsel in seinem neuen Essayband "Vogelgeister" gänzlich unkommentiert, weiß Rezensent Michael Schmitt. Man sollte diese Collagen auf sich wirken lassen und, wenigstens zunächst, keinen allzu offensichtlichen oder kohärenten Sinn erwarten, rät der Rezensent - dann erschließen sich nach und nach Parallelen zwischen Themen und Stimmungen Jahrhunderte auseinander liegender Textpassagen, seien es albanische Gesetzestexte, chinesische Reiseberichte oder christliche Kirchenlieder, verspricht Schmitt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.10.2017

Gegen Nationalismus und "tumbe" Gegenwartsfixierung empfiehlt Rezensent Kai Sina Eliot Weinbergers Pathos der kulturellen, ethischen und literarischen Polyphonie. Weinberger, für Sina ein Goethe der Gegenwart durch die Fähigkeit, sich den gefundenen Texten über Bräuche, den Zoroastrismus oder Träume aus dem alten China nacherzählend poetisch anzuverwandeln, erschafft laut Rezensent ein weltliterarisches Kompendium, das den Leser in uralte Zeiten mitnimmt und den kulturellen Horizont des Westens entschieden überschreitet. Die Frage, ob er es mit Fakten oder Fiktion zu tun hat, stellt sich für Sina nicht, wo Überlieferung doch Variation und Umdeutung bedeutet.
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