Elfriede Jelinek

Jackie

Hörspiel-Monolog. Episoden der Prinzessinnendramen: Der Tod und das Mädchen IV. 1 CD
Cover: Jackie
Intermedium records, München 2004
ISBN 9783934847699
CD, 18,00 EUR

Klappentext

1 CD mit 52 Minuten Laufzeit. Sprecherin: Marion Breckwoldt; Regie: Karl Bruckmaier. Produktion: Bayerischer Rundfunk. Eine ehemalige Heroine Amerikas, ein längst verstorbenes Idol, ruft aus dem Jenseits die Toten an. Dabei erschafft sie ein Bild von sich selbst, sie prüft Inhalt und Form ihrer Rolle, sie inszeniert sich als Kunstwerk. Mit biografischen Fakten und einem permanenten Vergleich mit Marilyn Monroe, Jackies stärkster Gegenspielerin, umkreist Jelinek in ihrem Hörspielmonolog Jacqueline Bouvier (1929 - 1994), die Witwe des US-Präsidenten John F. Kennedy und des griechischen Milliardärs Aristoteles Onassis. Ein Leben voller Glanz und Glamour, Bedeutung und Behauptung, Schicksalsschläge und Schocks. Das konzentrierte Textgebilde zieht immer engere Kreise um die Person, äußert sich immer deutlicher über die Eigenwahrnehmung des Charakters, die Einschätzung des politischen und gesellschaftlichen Zeitgeschehens, die Analyse der Familienverhältnisse.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 22.09.2004

Sehr gelungen, Auszeichnung verdient! Der "czz" zeichnende Rezensent lobt das preisgekrönte Hörspiel Jelineks in höchsten Tönen. Die "Sixties-Ikone" Jackie Kennedy wird zur Jelinekschen Untoten und also mit Sprache gefüllt, bis die "aparten Hülsen (...) - wie überfüllte Würstchen im heißen Wasser - platzen". In Gestalt von Marion Breckwoldt wurde zudem eine "kongeniale Stimmvirtuosin" gefunden, die der Regisseur Karl Bruckmaier bestens eingestellt hat; er setzt, so der Rezensent, ganz auf Breckwoldts Stimmkraft und akzentuiert die fliegenden Registerwechsel zwischen unterkühltem Zynismus, atemstarker Rage und fasriger Resignation durch eine ausgeklügelt choreografierte Toneinspielung. Zu der, "czz" hat's nichts vergessen, bei der Ausstrahlung im Radio noch ein Bob-Dylan-Song gehörte, und der fehlt hier, leider.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 07.08.2004

Das muss man erst einmal schaffen, so Tobias Lehmkuhl, ein Stück über eine Medienprinzessin wie Jackie Kennedy-Onassis als exzessives Selbstgespräch zu schreiben und dies dann auch im gesprochenen Wort so umzusetzen, dass es für den Hörer zu einem "mitreißend kurzweiligen" Erlebnis wird. Elfriede Jelinek hat ihre Jackie voller Sympathie und Witz gezeichnet und ihr zig verschiedene Facetten verliehen, die man vereint in einer Person kaum für möglich halten würde, staunt Lehmkuhl. Ein großes Lob geht auch an die Sprecherin Marion Breckwoldt, die es verstehe, die Facetten in den unterschiedlichsten Tonlagen kongenial umzusetzen, und an den Regisseur Karl Bruckmaier.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 15.07.2004

Ein Füllhorn von Lob schüttet Konrad Heidkamp über das Hörbuch "Jackie" aus, in dem die von den Toten auferstandene Jackie Kennedy in einem langen Monolog ihr Leben erzählt. Zunächst lobt er den Text aus der Feder Elfriede Jelineks ob der "klugen Sentenzen" und zeigt sich fast "erschlagen" von ihrer Fähigkeit zum "manischen Sprachjonglieren"; auch wegen des hier zelebrierten Ineinanderfließens von "Philosophie und Tratsch" ist Jelinek für den Rezensenten ganz klar "aus dem Schneider". Sodann lobt Heidkamp die "wunderbare" Marion Breckwoldt, die dem "gewaltigen Monolog" ihre Stimme leiht. Ob sie nun "scharfzüngig giftet", "überzeugend aus dem Totenreich hallt", oder "putzmunter" plappert - Heidkamp ist immer angetan von ihrer Leistung. Natürlich lobt er auch den Hörspielregisseur Karl Bruckmaier, der das Material zu einem "Feuerwerk" gebündelt habe. Und sogar das CD-Booklet, in dem das rosa Kostüm Jackie Kennedys als "Comic-Ausschneidebogen" enthalten ist, findet lobende Erwähnung. Seine Lobeshymne schließt Heidkamp mit der Bemerkung, das Elfriede Jelinek "zu Recht den Hörspielpreis der Kriegsblinden 2004" bekommen habe.

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