Wie in einer Weltraumkapsel fühlt sich Leonie Warmers in ihren vier Wänden: außerhalb von Raum und Zeit, geschützt vor dem, was sie umgibt. Tagsüber, in "der Company", erträgt sie als Auszubildende die Anzüglichkeiten ihres Chefs. Nachts surft sie in Gesundheits-Foren, tauscht sich aus über Symptome, von stechenden Schmerzen im Fersenbein bis hin zu nächtlichem Schlafwandeln. Leonie fühlt sich fremd in ihrem Körper. Lässt sich vom Arzt ein Dutzend Elektroden auflegen. Irgendwas muss da doch zu finden sein? Das hofft auch ihre Mutter, wenn sie auf Dating- Plattformen nach einem neuen Mann sucht. Über ihren Vater weiß Leonie nicht recht viel mehr, als dass er Erbsensuppe hasste und ein Langweiler war. Leonie imaginiert ihn sich als Straßenmusiker, Lucky Luke, jedenfalls als eine "coole Sau". Dann wird die Umlaufbahn ihrer Kapsel durchkreuzt, von einer Obdachlosen, die ihr "Quartier" vor Leonies Wohnungstür aufgeschlagen hat, vor allem aber von Torsten ohne h, ihrem Kollegen in der Company. Auf einmal beginnt Leonies Raumschiff zu schweben, völlig schwerelos...
Einiges Lesevergnügen hat Tanya Lieske mit Elena Winters Debütroman. In dessen Zentrum steht Leonie, eine 23-jährige, die Probleme mit dem Schlaf hat und außerdem fürchtet, unsichtbar zu werden. Dazu kommt es zwar nicht, zeichnet Lieske nach, aber Leonie ist definitiv einsam, auch wenn das Buch dieses Problem nie explizit benennt. Weiterhin geht es im Text, der trotz gelegentlicher Science-Fiction-Allusionen in unserer Gegenwart verankert ist, laut Rezensentin um Leonies Verhältnis zu ihrem aufdringlichen Chef. Auch eine Liebesgeschichte kommt am Rande vor, manche Nebenstränge der Handlung kommen, findet Lieske, etwas zu kurz. Insgesamt jedoch findet Lieske Gefallen an diesem sowohl sprachlich als auch atmosphärisch interessanten Buch über eine wie mit Watte gepolsterte Welt.
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