Edwidge Danticat

Der verlorene Vater

Cover: Der verlorene Vater
Edition Büchergilde, Frankfurt am Main 2010
ISBN 9783940111760
Gebunden, 239 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Susann Urban. Neun Geschichten über einen Mann, der von Haiti in die Vereinigten Staaten ausgewandert ist - angeblich auf der Flucht vor dem Duvalier-Regime, von dem er verfolgt und gefoltert wurde. Äußeres Zeichen dieses Schicksals ist eine lange Narbe. Erst im Erwachsenenalter erfährt seine in New York geborene Tochter, dass ihr Vater keineswegs Opfer, sondern Täter war, ein Mann, der alle Finessen des Folterns beherrschte, der das Leben unzähliger Menschen zerstörte. Die einzelnen in sich abgeschlossenen Kapitel zeichnen das Bild der haitianischen Gesellschaft zwischen Armut, Willkürherrschaft, Flucht und Auswanderung. Es kommen Menschen zu Wort, denen das Leben unter der paradiesischen Sonne Haitis zur Hölle wurde.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 13.04.2011

Sehr eingenommen berichtet Angela Schader von diesen Erzählungen der Haitianerin Edwidge Danticat, die, lose miteinander verbunden, tief in die Geschichte des gebeutelten Landes zurückreichen. In ihrem Mittelpunkt steht der titelgebende Vater, einst ein Scherge des Diktators Francois Duvalier, des berüchtigten Papa Doc. Durch ein Missverständnis hält ihn die Schwester eines von ihm gefolterten Mannes selbst für ein Opfer und flieht mit ihm nach New York. Selbst als die Wahrheit ans Licht tritt, bleibt sie bei ihm. Um diesen Mann und seine Tochter herum, berichtet Schader, gruppiert Danticat ihr Personal, meist ebenfalls im New Yorker Exil lebende Haitianer. Rezensentin Schader sieht in diesen Geschichten menschliche und politische Abgründe so "achtsam" und unspektakulär ausgeleuchtet, dass sie der Autorin einen mitunter etwas verkrampften Zugriff auf ihre Geschichten verzeiht.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.01.2011

Als Meisterwerk bezeichnet Hans Christoph Buch diesen Roman der aus Port-au-Prince stammenden Edwidge Danticat über die Haitianische Diaspora in den USA. Obgleich der aus scheinbar unverbundenen Geschichten bestehende Text dem Rezensenten zunächst Geduld abfordert, weil der so gemächlich und eher unspektakulär beginnt, ist Buch letztlich Feuer und Flamme. Kein Wunder, denn die Menge an Reminiszenzen, Sitten-, Landschaftsbeschreibungen und essayistischen Passagen ergeben schließlich ein den Rezensenten bewegendes Panorama der Diktatur. Vermisst hat er ein informierendes Nachwort und weiterreichende Erläuterungen. Bei diesem in eine so fremde wie faszinierende Kultur eintauchenden Text ein Muss, meint Buch.
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