Eduard Mühle

Für Volk und deutschen Osten

Der Historiker Hermann Aubin und die deutsche Ostforschung
Cover: Für Volk und deutschen Osten
Droste Verlag, Düsseldorf 2005
ISBN 9783770016198
Gebunden, 736 Seiten, 50,00 EUR

Klappentext

Die Studie untersucht auf breiter Quellengrundlage den Lebensweg und die Mentalität, das wissenschaftsorganisatorische und geschichtspolitische Engagement sowie das geschichtswissenschaftliche Werk des Ostforschers Hermann Aubin. Sie eröffnet damit einen differenzierten und spannenden Einblick in ein individuelles Gelehrtenleben, das sich vom spätwilhelminischen Kaiserreich bis in die frühe Bundesrepublik über drei epochale Umbrüche hinweg in hohem Maße treu geblieben ist. Sie bietet darüber hinaus auch eine erste, die Zäsuren des 20. Jahrhunderts übergreifende Geschichte der historischen deutschen Ostforschung. Dabei lässt sie exemplarisch schließlich auch jene mentalen und kulturellen Dispositionen und Grundstrukturen erkennen, die vom ausgehenden 19. bis ins zweite Drittel des 20. Jahrhunderts hinein die Wahrnehmung der deutschen Gesellschaft vom eigenen Volk und von den europäischen Nachbarvölkern geprägt und entscheidend dazu beigetragen haben, dass die Deutschen dem östlichen Europa während der ersten beiden Drittel des 20. Jahrhunderts überwiegend mit Geringschätzung und Verachtung, Hass und brutaler Gewalt, mit anhaltender Herablassung und Unversöhnlichkeit begegnet sind.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.07.2006

Weitgehend einverstanden ist Patrick Bahners mit Eduard Mühles Monografie des Historikers Hermann Aubin (1885 bis 1969), der lange Zeit die "Ostforschung" prägte - die Erforschung des deutschen Volkstums in Ostmitteleuropa. Ausführlich geht er auf die Karriere Aubins ein, um sich dann der Arbeit Mühles zuzuwenden. Dessen umfangreiches Werk möchte nach Auskunft Bahners keine Biografie sein, sondern eine Studie über Leben und Werk des Historikers. Er bescheinigt Mühle, den Alltag Aubins als Forschungsorganisator, Zunftfunktionär und Festredner in einer "dichten Beschreibung wechselnder Kontexte" festzuhalten und so "politischen Pauschalurteilen" zu entgehen. Kritisch betrachtet Bahners hingegen einige Äußerungen Mühles, die für ihn einen unzutreffenden Eindruck vom Wirken Aubins unter der Nazi-Diktatur vermitteln. Dass der Autor Aubin eine "affirmativ-kollaborative Haltung" gegenüber dem "System" vorhält, weist der Rezensent mit der Frage zurück, wie man einen deutschen Staatsbeamten der Kollaboration bezichtigen wolle. Das eigentliche Problem sieht er nämlich darin, dass sich Aubin zwar als "Sturmtruppenführer im geistigen Grenzkampf zur Verfügung hielt", aber kein Nazi im weltanschaulichen Sinne Hitlers gewesen sei.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.11.2005

Kritisch geht Ingo Haar mit Eduard Mühles 700 Seiten starker Biografie Hermann Aubins, einem der wichtigsten deutschen Historikern des 20. Jahrhunderts, ins Gericht. Einmal davon angesehen, dass er die Gliederung des Buchs "unzusammenhängend" findet, hat er auch erhebliche inhaltliche Einwände. Diese betreffen insbesondere Mühles Umgang mit Aubins völkisch-nationalistischer Einstellung. Haar hält dem Autor beispielsweise vor, das akademische Milieu auszublenden, in dem Aubin in den zwanziger Jahren wirkte, und intime Historikerfreunde wie den österreichischen Nationalsozialisten Adolf Helbok oder den antisemitischen Geographen Friedrich Metz kaum zu erwähnen. Anders als Mühle sieht Haar in Aubin eine "Stütze des NS-Regimes", implementierte er doch an seiner Breslauer Fakultät die Professur für Rassenforschung und führte als Vorstand der Historischen Kommission für Schlesien das Führerprinzip ein. Als "Gipfel der Bagatellisierung" wertet er Mühles Einlassung, Aubin habe die berüchtigte Polen-Denkschrift der NOFG, die Himmlers Umsiedlungs- und Vernichtungspolitik unterstützte, zwar 1939 in Auftrag gegeben, aber selbst nicht mehr abgenommen. Für "völlig verfehlt" erachtet Haar weiter, dass Mühle ihm nach 1945 "Lernbereitschaft" zuzubilligen mag.
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