Herausgegeben von Björn Weyand. Mit 100 Abbildungen. "Berlin W. Draußen, wo die Protzenburgen des Geldes den Kurfürstendamm säumen, wo die 'Jugendstil'-Architekturen des 'bayerischen Viertels' sich in maßlosen Geschmacksverirrungen gefallen, da draußen, wo das Geld rollt, die Dienstmädchen weiße Häubchen tragen und die 'Herren' Portiers auf hochherrschaftliche Ordnung halten, und wo Berlin eigentlich Charlottenburg, Schöneberg oder Wilmersdorf ist, da draußen liegt Berlin W." Rund um den Kurfürstendamm lässt sich um 1900 eine neureiche Gesellschaft in komfortabel ausgestatteten Behausungen nieder. Demonstrativer Konsum gehört hier zum guten Ton. Die richtigen Möbel, das richtige Porzellan, die richtigen Reiseziele und Sommerfrischen, die richtigen Freizeitbeschäftigungen und die richtige Kunst und Literatur - alles unterliegt dem Spiel der Mode. Edmund Edel beschreibt dieses Treiben an der Oberfläche mit der soziologischen Treffsicherheit eines Georg Simmel, dem großen Denker des großstädtischen Geisteslebens, der wie Edel selbst Bewohner von Berlin W. war, und mit feinsinnigem, bösem und zugleich liebevollem Humor. Seine Satire "Berlin W. Ein paar Kapitel von der Oberfläche", 1906 erstmals erschienen, eröffnet das Panorama einer im Luxus schwelgenden Gesellschaft der Jahrhundertwende und gibt Einblick in die Anfänge der modernen Konsumkultur. Die Neuausgabe ist zugleich Auftakt zu einer Edmund-Edel-Werkausgabe.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 17.12.2022
Helmut Böttiger stellt bei der Lektüre eines ursprünglich schon 1906 erschienenen Buches von Edmund Edel erstaunt fest, dass Berliner Szeneviertel keine Erfindung des 21. Jahrhunderts sind. Der Autor berichte von einem Bau- und Entwicklungsboom besonders im Berliner Westen, der durchaus mit heutigen Gentrifizierungsbewegungen vergleichbar sei. Auf Konsum, Marken und das äußere Erscheinungsbild wurde schon 1906 viel Wert gelegt, lernt der Rezensent durch die kleinen Porträts Edels, die angenehm satirisch-spitzzüngig den damaligen Zeitgeist wiedergeben. Auch 2022 noch absolut empfehlenswert, findet Böttiger, und wünscht sich ähnlich geistreiche Bücher und Beschreibungen auch für unsere Zeit.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 03.11.2022
Als einen archäologischen Fund feiert Lothar Müller diesen satirisch-journalistischen Band des Plakatkünstlers Edmund Edel, der bis zu dieser Wiederentdeckung komplett vergessen war. Aber "Berlin W." ist ein äußerst instruktiver und witziger Ausflug in eine Zeit, die gar nicht so weit zurückliegt und doch versunken ist: die Zeit als der "neue Westen" um den Kurfürstendamm wirklich noch ganz neu war in dieser Stadt. Das war kurz nach 1900. Laut Müller stellt uns Edel mit seinen satirische Skizzen hier ein faszinierendes Panorama vor Augen, das diese Stadt, wie sie mal war und selbst über sich längst vergessen hat, wieder vorstellbar macht.
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