Der Wiener Kongress markiert einen Wendepunkt in der Geschichte Europas. Dort gelang es, eine einzigartige dauerhafte Friedensordnung zu stiften, die erst mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges endete. Der Wiener Kongress tanzte nicht nur, er arbeitete auch. Nach den Napoleonischen Kriegen, die Europa in vollständige Unordnung gestürzt hatten, bemühten sich Könige und Diplomaten, aus den Trümmern der alten Welt ein neues Europa der Sicherheit und Solidarität zu schaffen. Eberhard Straub porträtiert die großen Akteure (Metternich, Talleyrand, Hardenberg, Humboldt) und zeigt, wie sie die Grundlagen dafür legten, dass Europa sich noch einmal hundert Jahre souverän als Einheit in der Mannigfaltigkeit behaupten konnte. Anders als nach dem Ersten Weltkrieg erlagen die Siegermächte nicht der Versuchung, den unterlegenen Feind zu dämonisieren und zu bestrafen. Noch einmal siegte die Vernunft der Nationen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 02.01.2015
Zum Auftakt des Gedenkjahres 2015 nimmt Harro Zimmermann die einschlägigen Erscheinungen zum Wiener Kongress in den Blick. Ausführlich referiert der Rezensent die geschichtlichen Hintergründe und Folgen der Neuordnung Europas, wobei er auf die einzelnen Bücher eher am Rande eingeht. Eberhard Straubs Studie "Der Wiener Kongress" erscheint dem Rezensenten als "die konziseste und am weitesten ausgreifende Analyse" herauszuragen, nicht zuletzt wegen der kritischen historischen Einschätzung des Kongresses auf eine "zunehmend misslingende europäische Friedensordnung hin".
Stephan Speicher bespricht eine ganze Reihe von Büchern zum 200. Jubiläum des Wiener Kongresses. Allgemein werde das Ereignis positiver gesehen als noch vor Jahrzehnten. Die Modernisierung der Diplomatie, die Erstellung einer europäischen Friedensordnung ohne Ranküne gegen den Verlierer Frankreich werden als historische Errungenschaft gewürdigt. Eberhard Straub stelle das Ereignis aus dezidiert konservativer - aber keineswegs wilhelminischer - Sicht dar: Bei ihm fällt Speicher vor allem das Misstrauen gegenüber dem Nationalstaat auf, dem im Kongress noch einmal eine Zwangsjacke angelegt wurde. Straub begrüße das - ein interessanter Standpunkt für Speicher, aber einer, der die legitimen Ansprüche der Völker übergehe.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 30.09.2014
Weniger ein klassisches Geschichtsbuch als ein Essay zur europäischen Außenpolitik zwischen der Französischen Revolution und dem Ersten Weltkrieg ist dieser Band von Eberhard Straub, erklärt Rezensent Gustav Seibt, der damit auf seine Kosten gekommen zu sein scheint. Straub feiert die ausgleichende, stabilisierende Wirkung des Wiener Kongresses und schießt dabei scharf gegen alle Versuche, nationale Selbstbestimmungsrechte gegen die Imperien durchzusetzen und gegen die "Moralisierung der internationalen Beziehungen", so Seibt, der dem "politisch inkorrekten" Autor seine Thesen nicht übelnimmt, auch wenn er die Diplomaten der Großmächte bei Straub etwas schöngezeichnet findet.
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