Durs Grünbein

Koloss im Nebel

Cover: Koloss im Nebel
Suhrkamp Verlag, Berlin 2012
ISBN 9783518423165
Gebunden, 414 Seiten, 24,50 EUR

Klappentext

Durs Grünbeins Gedichtbände sind dafür bekannt, dass sie ihre Gegenstände in immer weiteren Kreisen erfassen, in ihrer konzentrischen Ausbreitung wie geschaffen für dieses Zeitalter der Globalisierung. Sein neuer Gedichtband folgt dem Plan einer Ausstellung. In sieben Abteilungen werden Arbeiten aus den letzten fünf bis acht Jahren präsentiert. Es sind Bilder einer Reise, Exkursionen in das unbekannte Alltägliche, Selbstporträts und Historienbilder, Studien von Liebe und Sexualleben. In dieser eigenartig schwebenden Dichtung stehen Innenleben und äußere Welt in einer unauflösbaren Spannung: Sie ist das Lebensprinzip des Grünbeinschen Verses. Dabei ist das prägnante Einzelstück, ultimatives Ziel seines Schreibens, nur denkbar als Resultat einer seriellen Praxis. Immer sind diese Gedichte Beispiele einer peinturistischen Poesie. Jedes stellt auf seine Weise die Frage: Was ist Imagination und wie verändert sie unser Bewusstsein?

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 07.01.2013

Begeistert zeigt sich Joseph Hanimann angesichts der Gedankenschärfe in den Gedichten von Durs Grünbein. Keine Stimmungslyrik nirgends, notiert er, sichtlich erleichtert. Dabei gäben die vielen Gottheiten, die der Dichter zwischen Rom und Athen trifft, Anlass genug. Dass Grünbein lieber von flüchtigen Begegnungen schreibt, ohne Einfühlungschance gleichsam, und lieber mit Brecht und Müller im Gepäck, passt Hanimann gut. Ebenso gefallen dem Rezensenten die vom Autor in diesem Band ausgebreitete Formen- und Gattungsvielfalt, der spielerische gleichwohl virtuose Umgang, wie Hanimann feststellt, mit Reim und Metrik. Elegante Gedichte, findet er, gelungene Symbiose von sinnlicher Erfahrung und Gedankenschärfe.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 15.11.2012

Christof Siemes schickt seiner Rezension vorweg, dass der übermäßige Konsum von Durs Grünbeins "lyrischen Kalorienbomben" zu Magenverstimmungen führen kann, um sodann mächtig verstimmt von der Lektüre des neuen Gedichtbands "Koloss im Nebel" zu berichten. Es geht schon damit los, dass dem Rezensenten das System der Anordnung in Kapitel nicht einleuchten mag. Schwerer wiegt, was in den Gedichten passiert. Nicht selten treibe Grünbeins Hang zum Manierierten unfreiwillig komische Züge, beispielsweise: "Radau aus Reflexion und Refraktion. So retardiert der Raum". Vor allem ist es aber Grünbeins ostentative Vertrautheit mit dem bildungsbürgerlichen Kanon, die Siemes gehörig auf die Nerven geht: manche Gedichte wirkten gar wie "Wikipedia-Einträge, mit Zeilensprüngen zu Lyrik aufgepimpt". Fazit Siemes: "Schönen Dank auch für so viel Volkshochschule!"

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.10.2012

Mit diesem Dichter fährt Wulf Segebrecht sogar umstandslos ins Nebelmeer hinaus, weiß er in Durs Grünbein doch einen gelehrten Gefährten bei sich, der historische Erkenntnis und Vermittlung betreibt, noch in der Erinnerung an erotische Nachmittage als junger Mensch, an Murmelspiel und Meisterwerke, nachdenklich, beschreibend, kombinierend, wohlklingend ordnend, nicht Kunststückchen schreibend. Für Segebrecht steht der Dichter so in einer Traditionslinie mit Hölderlin, Goethe, Brecht. Worum geht's? Um alles Mögliche, meint Segebrecht, der den Band auch als Potpourri des Grünbeinschen Werkes versteht. Aber stets dreht sich's um die heikle Wahrnehmung dieser Vielfalt, für den Leser außerdem um das Deuten der beschriebenen Erfahrung. Segebrecht hat offensichtlich Spaß dabei.
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