Aus dem Serbischen von Mascha Dabic. Niemand hat sein Leben akribischer memoriert als seine Mutter. Als sie stirbt, tritt der Sohn ihre Erbschaft als Archivar der Erinnerung an, folgt der Flut der Bilder, die in ihm aufsteigt. Erinnern, das ist bei Dragan Velikic immer an Orte geknüpft, die die Landkarte eines Lebens ergeben. Er ist wieder der Junge, frisch von Belgrad nach Pula gezogen, erkundet die duftenden Innenhöfe, trifft den alten Uhrmacher Maleša, der einst Titos Uhren repariert hat und alle Geschichten kennt - immer begleitet von der rigiden Weltdeutung der Mutter, von der er sich mit jedem Schritt mehr befreit. Dragan Velikics neuer Roman ist eine Hommage an seine Mutter, an ein Land, eine Zeit und Menschen, die es nicht mehr gibt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.06.2017
Für den Rezensenten Wolfgang Schneider ist dieses Erinnerungsbuch des serbischen Schriftstellers Dragan Velikic nur mit viel Wohlwollen zu genießen. Lesern, die für die jugoslawische und post-jugoslawische Welt und ihre Magie etwas übrig haben, könnten allerdings hinter der etwas spröden, schwermütigen Kost Poesie entdecken, wenn sie Velikics über verschiedene Schicksalsorte nacherzählte Familiengeschichte zu ihrer eigenen Sache machen, meint Schneider, und an dem sprunghaften Reisen dieses Metaphysikers der Erinnerung durch Raum und Zeit Gefallen finden.
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