Bis heute gilt das Mittelalter als Zeitalter des Glaubens, in dem Menschen, die an der Existenz Gottes zweifelten, systematisch verfolgt wurden. Dorothea Weltecke weist nach, dass diese Annahme ein Mythos ist, der in der Neuzeit entstand. Sie untersucht die Verwendung der Begriffe "Unglauben " und "Zweifel" in den zeitgenössischen Schriften und belegt: Der Gedanke, dass Gott nicht ist, existierte durchaus. Er wurde in der Beichte geäußert und in der spirituellen Literatur beschrieben, doch nicht, wie oft angenommen, vorrangig von Intellektuellen - diese nahmen den Atheismus lange nicht ernst, denn er widersprach theologischen und philosophischen Grundannahmen. Beide Ergebnisse eröffnen einen gänzlich neuen Blick auf das Mittelalter wie auf die Geschichte des Atheismus.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.07.2011
Als Hauptlernergebnis nimmt Wolfram Kinzig, Professor für Kirchengeschichte in Bonn, aus diesem Buch die Erkenntnis mit, dass Atheismus keineswegs ein Produkt der Moderne sei. Lange vorher, im Mittelalter, gab es Manifestationen des Unglaubens an Gott, die sich etwa als "Murren bei der Beichte" oder in andere Formen des Protestes äußerten. Ungerechtigkeit und die Existenz des Bösen waren seit je die stärksten Antriebe des Zweifels, referiert Kinzig. Nur war der Atheismus im Mittelalter noch keine ausformulierte Doktrin. Dafür dass Kinzig dieses Buch mit Gewinn gelesen hat, spricht schon die Ausführlichkeit seines Referats. Zwar sagt er nicht viel über Strukturierung und "Moral" von Welteckes Darlegungen, aber er attestiert der Autorin, dass sie glänzend schreibe und mit methodischer Finesse Atheismusbegriffe differenziere, die allzu lange Zeit gleich gesetzt wurden.
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