In ihrem zweiten Gedichtband nimmt Dorothea Grünzweig abermals das Thema des Hier- und doch nicht Hier-Seins auf. Es ist das Thema von Ferne und Heimat, von ferner Heimat.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.08.2000
Durchweg Freundliches hat Tilman Sprekelsen über Dorothea Grünzweig zu sagen, die er für eine "sorgfältig wägende Lyrikerin" hält. Wenngleich die lyrischen Kostproben zu der Frage verleiten, wie es da dem Kritiker gelang, so gefasst zu bleiben. Man wird von ihm gründlich in Leben und Werk der Dichterin eingewiesen, und liest, dass manches Thema aus dem ersten Lyrikband in diesem zweiten nun wiederkehrt. Besonders gefiel dem Rezensenten das Stilmittel Grünzweigs, "aus trivialen Formulierungen geglückte Umdeutungen erwachsen zu lassen". Nur manchmal missglücke ihr dies.
Die Rezension von Rüdiger Wartusch zeigt wieder einmal, das Rezensenten, die es mit Gedichtbänden zu tun haben, bei der Arbeit oftmals selbst in recht poetische Stimmung geraten: "Dorothea Grünzweig hält am Subjekt fest und nimmt den Regenbogen mit seinem Trostcharakter in ihre erdimmanente Sicht hinein als Versprechen der Poesie". Da kommt der Leser doch ins Grübeln, aber an anderer Stelle hilft Wartusch weiter. Wir erfahren, dass "Sprache und Sprachlosigkeit" wichtige Themen für die Lyrikerin sind, ein anderes ist die klirrende Kälte und ein drittes sie selbst, die deutsche Dichterin in Finnland, die über ihren eigenen Dunstkreis hinaus blicken kann. Dabei weist Wartusch darauf hin, dass der Schwerpunkt von Grünzweigs Dichtung im Inhalt und den Worten liegt: "keine formalen Spielereien", betont er, und diagnostiziert einen Zusammenhang zwischen Grünzweigs Sprache und den "eiskristallklaren Bildern".
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