Als Kind musste Don Pablo Mulemba, Sohn eines angolanischen Vertragsarbeiters und einer Ostdeutschen, ständig seine Hautfarbe erklären. Er selbst empfand sich selbstverständlich als deutsch. Er sprach den gleichen Dialekt wie alle anderen, kannte nichts anderes als die brandenburgische Provinz - und wurde doch immer wieder zum Fremden gemacht. Seine Eltern hatten sich in der DDR kennengelernt, aber der Osten der Nachwendezeit war kein sicherer Ort mehr für sie und ihre Kinder. Es waren die "Springerstiefeljahre", ihren Freund Amadeu Antonio prügelte man in Eberswalde auf offener Straße zu Tode. Die Familie wurde zerrissen: Die Eltern sahen keine Perspektive mehr, wanderten nach Angola aus. Pablo aber wollte bleiben. Mit zwölf ging er auf ein Sportinternat in Cottbus und musste als Schwarzer Jugendlicher seinen Weg finden. Heute stellt er sich die entscheidenden Fragen nach Identität, Heimat und Zugehörigkeit, Fragen, die ihn auf eine gemeinsame Reise mit seinem Vater bis nach Angola führen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 08.08.2026
Rezensentin Elena Witzeck wirkt begeistert von Don Pablo Mulembas Buchdebüt und von seinem Auftreten bei einem Treffen in Berlin. Bücher über den Osten gebe es derzeit viele, aber Don Pablo Mulemba "sprengt das Narrativ", findet Witzeck: Der in Eberswalde und in Cottbus aufgewachsene Sohn eines angolanischen Gastarbeiters erzählt darin von seiner Jugend zwischen Neonazis, von der Angst, so getötet zu werden wie Marinus Schöberl 2002, von der Angst, als Handball-Leistungssportler zu versagen, und von der Vergangenheit seiner Eltern, die noch brutaler war als die eigene. Packend und authentisch findet die Kritikerin die Rückblicke auf junge Männergruppen, die "unausgegorenen Jungs-Dialoge", aber: den Rechtsruck mit Psychogrammen "kaputter Männer" zu erklären, sei für Don Pablo Mulemba, wie er schreibt, "auserzählt". Und das scheint für Witzeck der springende Punkt zu sein: dass der Autor und Student mehr möchte als solche Fremdanalysen, den Dialog und vor allem die Lösungsansätze erweitern, in Richtung einer menschlichen Politik nach dem Vorbild etwa eines Nam Duy Nguyen. Auch, dass die beste Form des Widerstands für Don Pablo Mulemba schlicht Bildung über die Geschichte des eigenen Landes ist, imponiert der Kritikerin sehr. Ein kluges und reflektiertes Buch, das neue Denkweisen bietet, vermittelt Witzeck.
Anne Carson: Rot Aus dem amerikanischen Englisch von Anja Utler. Der rote Junge Geryon ist unsterblich in Herkules verliebt, der dem Jüngling nicht zu widerstehen vermag. Auf dem Höhepunkt… Juli Zeh: Pony Show Eine prominente Verlegerin unter Mordverdacht. Ein spektakulärer Schwurgerichtsprozess. Und die Frage: Wie verhandelbar ist die Wahrheit? Sie ist über fünfzig, verheiratet… Shida Bazyar: Die Lücken Heimesbach im Hunsrück ist ein fiktiver Ort, an dem sich neunzig Jahre deutscher Geschichte in die Mauern und Biografien eingenistet haben. Es ist eine Gemeinde, die ihre… Anne Carson: Der bittersüße Eros Aus dem nordamerikanischen Englisch von Christina Dongowski. Es war eine Dichterin, Sappho, die dem Eros das paradoxe Attribut "bittersüß" gab. Dies geschah in der Zeit,…