Dietmar Dath

Höhenrausch

Die Mathematik des 20. Jahrhunderts in zwanzig Gehirnen
Cover: Höhenrausch
Die Andere Bibliothek/Eichborn, Frankfurt am Main 2003
ISBN 9783821845357
Gebunden, 347 Seiten, 27,50 EUR

Klappentext

Keine Angst! Dies ist kein Fachbuch. Es verlangt keine mathematischen Vorkenntnisse - nur die Bereitschaft des Lesers, die Welt, in der er lebt, als eine zu entziffern, die mit Mathematik durchtränkt ist. Das zwanzigste Jahrhundert war ein goldenes Zeitalter dieser Wissenschaft. Ihre abstrakten Strukturen werden hier an Hand von Lebensgeschichten erzählt und "begehbar" gemacht. Cantor, Hilbert und Poincare sind die Portalfiguren des Jahrhunderts; aber wer kennt Emmy Noether, Dirac, Chaitin, Stephen Wolfram und Edward Witten, wer wüßte zu sagen, was sie entdeckt haben? Zwanzig Gehirne, das sind auch zwanzig Schicksale.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 23.12.2003

Unbedingt zu begrüßen sei jeder Versuch, meint Jochen Brüning, Wissenschaftsthemen auch an "gebildete Laien" zu vermitteln, wobei darauf zu achten sei, dass sie nicht zu sehr vereinfacht werden. Am schwierigsten sei dies zweifelsohne bei der Mathematik, weiß Brüning und hat sich von Dietmar Daths Ansatz der mathematischen Wissensvermittlung nicht richtig überzeugen lassen. Dath schickt die Mathematik des 20. Jahrhunderts ins Rennen, indem er seinen Stoff in zwanzig Abschnitte untergliedert, die jeweils einem Mathematiker oder einer Mathematikerin gewidmet sind, erklärt er. Die Form sei jedoch in jedem Abschnitt verschieden, biografische Essays stünden neben fiktiven Episoden, die nur den Hintergrund für die Entfaltung mathematischer Themen böten. Weder entstünde dadurch eine zusammenhängende Geschichte der Mathematik, noch erschlössen sich dadurch mathematische Sachverhalte. Die angewandte Darstellungsform, kritisiert Brüning, laufe "dem Wesen der gestalteten Mathematik zuwider". So sei weder den Laien noch den Mathematikern mit diesem Buch richtig gedient, bleibe also der literarische Anspruch, dessen Erfolg abzuwarten, aber nicht auszuschließen sei, da vieles immerhin vergnüglich zu lesen sei.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 11.12.2003

Obwohl Gero von Randow den Autor Dietmar Dath als "geschätzten Zeitungskollegen" einführt, verpasst er ihm ein paar Zeilen später eine kalte Dusche. "Frustrierend" sei das Buch, "denn es tut nur so, als erkläre es Mathematik". Aus den zwanzig Porträts lerne man zwar, wie manche Mathematiker sind, nicht aber, wie es um die Sache selbst bestellt ist. Mit einem langen Nebensatz könne man eben keine Formel erklären, findet der Rezensent, und als besonders "missraten" geißelt er jene Kästen und "Formeltürmchen", die eine Erklärung nur vorgeben. Dabei sei Dath mit seiner Beobachtungsgabe, mit seinem Sprachwitz und Einfallsreichtum gar nicht ungeeignet, Mathematiker zu porträtieren. "Ergreifend" sei etwa der Artikel über Emmy Noether, "faszinierend" die Vielfalt der literarischen Herangehensweisen überhaupt. Trotz aller Mängel bleibt das Buch für den Rezensenten damit der "bislang ungewöhnlichste Essay über die Forschungskultur".

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