Dietmar Dath

Dirac

Roman
Cover: Dirac
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2006
ISBN 9783518418635
Gebunden, 383 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Die Sowjetunion ist weg, Punk ist Retrochic, die RAF Kunstgeschichte, Vernunft eine Sache von Anlageberatern, nur die alten Fragen bleiben die gleichen: Wie funktioniert Leben? Wie sollen wir leben? Und wer entscheidet darüber: Wissenschaft, Religion, Kunst, Politik? David Daleks Freunde - eine Künstlerin, ein Computerprogrammierer, ein Psychiater, eine Kranke, eine Biochemikerin und eine Hausfrau - haben die typischen Probleme von Mittdreißigern, deren Eltern eine verbindliche Antwort schuldig geblieben sind. David, Schriftsteller und Journalist im Brotberuf, hat vor allem ein Problem: Wie beschreibt man ein Leben? Genauer: Wie schreibt man einen Roman über einen, der um die Vorläufigkeit aller Weltentwürfe wusste und doch der Wahrheit so nahe kam, wie ein Mensch nur kann? "Dirac" erzählt von Davids Suche nach der Wahrheit über Paul Dirac (1902-1984), den großen Unbekannten der modernen Physik.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 16.11.2006

Rezensent Ulrich Greiner schüttelt den Kopf: dieses ambitionierte Werk ist ein "gewaltiger, wenngleich recht hübscher Bluff". Im Mittelpunkt stehe der Titelheld und Physiknobelpreisträger Paul Dirac. Der Roman hat drei Zeitebenen: unsere Gegenwart, die siebziger Jahre und schließlich die in den dreißiger Jahren liegende erste Erwachsenenzeit Diracs. So recht kann uns der Rezensent den Roman nicht verständlich machen. Immerhin scheinen Daths literarische Bemühungen aus Sicht des Rezensenten in Richtung Auflösung aller Zeitebenen zu führen. Allerdings sieht es so aus, als diese seien Bemühungen nicht von besonderem Erfolg gekrönt. Zwar unterstreicht Greiner immer wieder Verständnis für das Anliegen des Autors, nämlich Literatur und Wissenschaft zu versöhnen und einen gemeinsamen "Königsweg" der Erkenntnis zu finden. Allerdings fehlt Dath aus seiner Sicht eine, für dieses Vorhaben ziemlich unabkömmliche "Schärfe des Gedankens". Da helfen auch Daths vielen Einfälle und seine "aufgeräumte" und "kolloquiale" Sprache nicht viel.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 16.11.2006

Rezensent Ulrich Greiner schüttelt den Kopf: dieses ambitionierte Werk ist ein "gewaltiger, wenngleich recht hübscher Bluff". Im Mittelpunkt stehe der Titelheld und Physiknobelpreisträger Paul Dirac. Der Roman hat drei Zeitebenen: unsere Gegenwart, die siebziger Jahre und schließlich die in den dreißiger Jahren liegende erste Erwachsenenzeit Diracs. So recht kann uns der Rezensent den Roman nicht verständlich machen. Immerhin scheinen Daths literarische Bemühungen aus Sicht des Rezensenten in Richtung Auflösung aller Zeitebenen zu führen. Allerdings sieht es so aus, als seien diese Bemühungen nicht von besonderem Erfolg gekrönt. Zwar unterstreicht Greiner immer wieder das Verständnis für das Anliegen des Autors, nämlich Literatur und Wissenschaft zu versöhnen und einen gemeinsamen "Königsweg" der Erkenntnis zu finden. Doch fehlt Dath aus seiner Sicht eine für dieses Vorhaben ziemlich unabkömmliche "Schärfe des Gedankens". Da helfen auch Daths viele Einfälle und seine "aufgeräumte" und "kolloquiale" Sprache nicht viel.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 04.10.2006

Böser Verriss. Die Lektüre dieses Romans hat Burkhard Müller offenbar größte Pein bereitet. FAZ-Redakteur Dietmar Dath erzählt in seinem Roman von fünf Freunden, die sich seit der Schulzeit kennen und jetzt Mitte Dreißig sind. Einer von ihnen ist Schriftsteller. Es geht also um Herrn Dath und seine Freund, schlussfolgert der Rezensent. Das würde ihn vielleicht nicht weiter stören, fände er diese Leute nicht so unerträglich. Die linke Attüde, die Müller in den achtziger Jahren arg billig findet (so radikal, "dass sie sogar eine Strafarbeit kriegen!"). Die Selbstbezogenheit (ein Autor schreibt ein Buch über einen Autor, der ein Buch schreibt). Die Einflechtung der Geschichte des französisch-englischen Kernphysikers Paul Dirac, die Müller einfach prätentiös findet. Nichts, aber auch gar nichts kann er an diesem Roman finden. Unverbindlich, flach, den geistigen "Wallungen" der historischen Linken absolut ebenbürtig, so sein Urteil.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 04.10.2006

Gut scheint Ulrike Meitzner Dietmar Daths Roman "Dirac" gefallen zu haben - trotz oder gerade wegen seiner Komplexität, die eine einfache Zusammenfassung nicht zulasse. Genau dieser Effekt ist auch der Schlüssel zum Roman, meint Meitzner. Dieser dreht sich um das Werk und Leben des titelgebenden theoretischen Physikers Paul Dirac, mit dem sich der Erzähler (der vom Autor, wie sie meint, nur schwer zu unterscheiden ist) beschäftigt. Zugleich gehe es aber auch um das Leben des Erzählers selbst und das seiner Freunde, die versuchen, mit dem Zusammenbruch linker Utopien und ihren lädierten Familiengeschichten zu Rande zu kommen. Dabei lobt sie den "präzisen, unterhaltsamen, informierten" und besonders bei der Wiedergabe gesprochener Sprache "geradezu brillanten" Sound des Textes. Als Lösung der Probleme erkennt die Rezensentin die Sehnsucht "die Diskurs- und Distinktionsmaschine endlich mal abzustellen". Dass der Text am Ende ins Fantastische changiert und dadurch die Lesererwartung irritiert, scheint der Rezensentin deshalb letztlich schlüssig: "Abgeschlossene, kontrolierbare Prozesse gibt es weder in der Physik noch in der Literatur."

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 02.10.2006

Einnehmenden Erzählzauber bescheinigt Roman Bucheli Dietmar Daths Roman über Physik und Poesie, der kunstvoll konstruiert und auf vielschichtige Art selbstbezüglich ist. Auf zwei geschickt verknüpften Erzählebenen treibe Dath sein Spiel mit dem Vorwissen des Lesers und der für die Protagonisten noch offenen Zukunft, das vielerlei Interpretationen zulasse. Zwischen Wissenschaftlerporträt und autobiografischer Skizze ist Dath ein "Vexierbild vielfach ineinander verschlungener Lebensgeschichten" gelungen, das den Rezensenten fesselt, ihm gar den Atem raubt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 20.09.2006

Harter Tobak warte hier auf den Leser, ächzt Rezensentin Elke Buhr, am besten kapituliere man gleich freiwillig vor dem Tohuwabohu von Zeiten und Handlungen. Der "notdürftige" rote Faden des Ganzen seien die Reflexionen von David Darek, der im Roman "Dirac" einen Roman über den realen Physiker Dirac verfasse und notorisch alles in Frage stelle, was er so schreibt. Das sei nun, so die Rezensentin, ein geschickter Schachzug, mit dem sich der reale Autor Dietmar Dath eine Lizenz zu jeder Art von Inkohärenz ausstellt. Damit gibt sich die Rezensentin allerdings nicht zufrieden und verlangt Antworten auf die philosophischen und politischen Fragen des Romans und nicht nur eine Reflexion der Widersprüche. Der Autor habe sich die Latte selbst sehr hoch gehängt, nun müsse er sich an den aufgeworfenen Fragen auch messen lassen. Während so manche Diskurspartien recht "trocken" daherkämen, glänzt der Roman für die Rezensentin besonders mit seinen "surrealen" Bildern wie dem Mädchen im Rollstuhl in blauen Meeres-Wellen.
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