Die Ethnologie als Wissenschaft vom kulturell Fremden hat sich in ihrer Geschichte vielen Völkern und Kulturen zugewandt. Allerdings gibt es bislang noch keinen umfassenden Überblick über die Geschichte des Faches in der Bundesrepublik als einer der größten ethnologischen Nationen. Dieter Haller beschreitet somit Neuland: Nach einem Rückblick auf die Anfänge des Faches und seine Verwicklungen im Nationalsozialismus wagt er eine Zusammenschau der Pfade, die es nach dem Zweiten Weltkrieg beschritten hat. Dabei rückt er die institutionellen und geistesgeschichtlichen Entwicklungen in den Kontext der politischen, sozialen und ökonomischen Bedingungen der Bundesrepublik von 1949 bis zur Wende. In der Ethnologie spiegelt sich das Unbehagen an der bundesrepublikanischen "Enge", dem Vernunftdenken und dem Glauben an Machbarkeit; sie überschreitet mit ihrem Interesse am Exotischen und Fremden den Horizont des Eigenen und trägt zum Verstehen anderer Lebenswelten und Kulturen bei. Dabei bietet das Buch auch einen Ausblick auf das Anthropologische, auf das, was den Menschen möglich ist.
Dieter Hallers Geschichte Ethnologie im Nachkriegsdeutschland hat Rezensent Andreas Eckert nicht überzeugt. Zwar fand er viel informatives Material im Buch, darunter ausführliche Interviews mit Kollegen des Autors. Doch Schwerpunkte, Analysen oder Einordnungen "sucht man vergeblich". Auch Hallers Versuch, das spezifisch Deutsche an der deutschen Ethnologieforschung herauszuarbeiten, überzeugt Eckert nicht. Feldforschung oder das Humboldtsche Bildungsideal pflegte man auch in anderen Nationen, weiß er.
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