Diarmaid MacCulloch

Die Reformation 1490-1700

Cover: Die Reformation 1490-1700
Deutsche Verlags-Anstalt (DVA), München 2008
ISBN 9783421059505
Gebunden, 1024 Seiten, 49,95 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Helke Voß-Becher und Klaus Binder. Der Kirchenhistoriker Diarmaid MacCulloch führt durch die revolutionäre Epoche der Reformation. Über die Ereignisse in den einzelnen Ländern hinweg entwirft er eine Gesamtschau der politischen, sozialen und mentalitätsgeschichtlichen Prozesse auf dem ganzen europäischen Kontinent. Er beschreibt, wie die verschiedensten historischen Ereignisse an den Rändern Europas auf die zentralen Reformationsgeschehnisse einwirkten und wie umgekehrt diese wiederum weitreichende Wirkungen auf das europäische Staatengefüge hatten. Im ersten Teil des Buches nimmt MacCulloch die Reformatoren, ihre Lehren und ihre Gegenspieler in den Blick, während er im zweiten Teil die realpolitischen Folgen der Reformation und Gegenreformation untersucht. Die religiösen, politischen und sozialen Umwälzungen des reformatorischen Zeitalters beendeten das Mittelalter, bereiteten den Weg in die Neuzeit und gaben Europa ein neues Gesicht.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 04.02.2009

Sehr interessiert hat sich Caroline Schnyder mit Diarmaid MacCullochs umfänglichem Geschichte der Reformation von 1490-1700 befasst. Das Buch des in Oxford lehrenden Kirchenhistorikers ist nicht zuletzt deshalb so dick geworden, weil MacCulloch neben Westeuropa auch noch nach Amerika blickt und sich zudem ausführlich mit den theologischen Ideen der reformatorischen Bewegungen auseinandersetzt, erklärt die Rezensentin einverstanden. Das Augenmerk des Autors liege dabei neben den Ideen auf den treibenden Persönlichkeiten wie Luther, Zwingli und Calvin, die er mitunter auch sehr erhellend miteinander in Beziehung setzt, wie Schnyder lobt. Zudem interessiert sich MacCulloch auch für die Lebenswirklichkeit der Menschen im 16. und 17. Jahrhundert, er bezieht also auch sozial- und kulturhistorische Forschungen mit ein, wie die Rezensentin eingenommen bemerkt.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 23.12.2008

In höchsten Tönen lobt Rezensent Robert Leicht dieses aus seiner Sicht ebenso hochgelehrte und materialreiche wie leidenschaftlich verfasste Buch über die Geschichte der Reformation. Dafür sei der Oxforder Kirchenhistoriker in die Katakomben der Fachliteratur und der Kirchenarchive gestiegen, und unterlaufe nun geradezu auf grandiose Weise die übliche konfessionelle Engführung sonstiger Darstellungen. Wer, schreibt Leicht programmatisch, sich durch dieses tausendseitige und keineswegs nur für Fachleute geschriebene Werk gearbeitet habe, sei für immer von jeglichem konfessionellen Provinzialismus geheilt und sensibilisiert für den Sachverhalt, dass jeder historische Sieg immer auch eine Verlustrechnung nach sich ziehe. Denn die Verlustrechnung der Reformation mache Diarmaid MacCulloch ebenfalls höchst stupend in seiner epochalen Studie auf. Auch dessen biografische und religiöse Verortung im Vorwort findet Leicht ebenso löblich wie aufschlussreich.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.10.2008

Anders als es manchem heute scheint, war das Christentum über Jahrhunderte keine "Buchreligion". Erst die Reformation beziehungsweise die Reformationen machten es dazu, oder, um - wie nach der Lektüre dieses Bandes nötig - genauer zu sein: schon die "vorreformatorischen Bewegungen", die sich bis ins 14. Jahrhundert zurückverfolgen lassen. Was Diarmaid MacCulloch denn auch tut. In Spanien, als einzigem Land Europas, führte die Reformation - die 1520 beendet war - nicht zu tief greifenden Unruhen, sondern zur Erneuerung der "Religiosität". Radikaler waren Luther, Zwingli, Calvin, die in traditionskritischer Absicht den einzelnen Gläubigen direkt mit Gottes Wort in der Bibel konfrontieren wollten. Freilich erweist sich auch die Römische Kirche im Gefolge der Reformation als selbst "historisierend verwissenschaftlichter" Teil des neuen "Pluriversums" christlicher Religiosität. Der Historiker MacCulloch stellt sich ganz auf die Seite der Vielfalt, was ihm der Rezensent Eberhard Straub, der in seiner Besprechung sehr viel mehr referiert als wertet, keineswegs verübelt.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.10.2008

Mit großer Begeisterung bespricht Dorothea Wendebourg den fünf Jahre nach seinem Erscheinen nun auf Deutsch vorliegenden Band über die Reformation von Diarmaid Macculloch. Die Besonderheit der Darstellung sieht sie in ihrer europaweiten Spannweite und in der großzügigen Auslegung des Begriffes "Reformation" sowie in der Auffassung des Autors, damit Prägendes über unseren Kontinent auszusagen. Dass Macculloch auch das "Konfessionelle Zeitalter" und die Entwicklungen der vorreformatorischen Kirche beziehungsweise der Gegenreformation miteinbezieht, kann die Rezensentin jedoch nicht immer anhand des Textes nachvollziehen. Von der schieren Fülle der unter dem Vorzeichen der Macht der "Idee" ausgebreiteten Gedanken und des Materials, ist Wendebourg dennoch so stark beeindruckt, dass sie sogar die Zumutung theologischer Exkurse in Kauf nimmt. Wirklich enttäuscht zeigt sie sich angesichts der quellenmäßigen Beschränkung auf angelsächsische Literatur und die damit einhergehende Sicht des Autors auch des Protestantismus' durch die "reformierte Brille". So, kritisiert sie, werde Luther "verzeichnet", die Darstellung der lutherischen Kirche seicht. Wenn sich Wendeborg darüber hinaus an jeder Menge Übersetzungsfehlern stört, meint man schon, sie lege das Buch beiseite. Doch der vom Autor eröffnete internationale Horizont zum Thema scheint all das letztlich auszugleichen.
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