Aus dem Niederländischen von Isabel Hessel. In Diane Broeckhovens neuem Buch begegnen wir buchstäblich einer alten Bekannten: Alice, die nach dem Tod von Jules, ihrem Mann, ihrem Leben eine neue Richtung zu geben versucht und feststellt, dass es sie an Orte ihrer gemeinsamen Vergangenheit mit Jules führt oder dorthin, wo sie am Ende gar nicht bleiben will. Dabei ist Alice keineswegs weltfremd, sentimental oder voller Altersgrimm gegen die Gegenwart erfüllt. Mit Selbstironie und Humor, dankbar und offen, aber eben voller Sehnsucht nach dem Leben mit Jules beobachtet sie die Welt und wünscht sich auf ihren Reisen doch, bald wieder nach Hause fahren zu können. Ein komischer und zugleich rührender Höhepunkt in "Eine Reise mit Alice" ist das Kapitel "Ostende", das von Alices Besuch bei ihrer jüngeren Schwester Esther in deren Ferienwohnung erzählt und zeigt, wie sehr die prägenden Gefühle die gleichen bleiben, auch wenn Jahrzehnte vergangen sind.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 05.06.2008
Das "wunderbar feinfühliges Porträt einer alten Dame" erblickt Rezensentin Andrea Lüthi in Diane Broeckhovens Roman "Eine Reise mit Alice". Der Roman, eine Fortsetzung von "Ein Tag mit Herrn Jules", erzähle von Alice' Leben nach dem Tod ihres Mannes, der für sie immer alles organisiert hat: Jetzt ist die Witwe auf sich gestellt, sie reist nach Paris, wo es ihr doch nicht gefällt, muss gut gemeinte Reiseeinladungen abwehren, verbringt Zeit mit ihrer Schwester, geht zur Pediküre. Lüthi schätzt die Sympathie und das Verständnis, mit der die niederländische Autorin ihre Figur zeichnet. Sie lobt den Roman als "luftig geschrieben" und findet ihn ebenso "vergnüglich" zu lesen wie "nachdenklich" stimmend.
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