Aus dem Amerikanischen von Steffen Jacobs. Joe Coughlin, geachteter Bürger von Tampa, Florida, und Consigliere des Bartolo-Syndikats, hat seine kriminelle Vergangenheit hinter sich gelassen wie Amerika die Prohibition. Bis eines Tages aus heiterem Himmel ein Kopfgeld auf ihn ausgesetzt wird und auf dem Spiel steht, was ihm am wichtigsten ist: sein Sohn - und der einzige Freund, den er hat. Die atemlose Geschichte von 'In der Nacht' geht weiter.
Auch der dritte und abschließende Teil von Dennis Lehanes Reihe um den Gangster Joe Coughlin hat Katharina Granzin wieder hervorragend gefallen. Was vor allem daran liegt, dass Lehane ein versierter Stilist ist, der sich blendend auf atmosphärisch dichte Genreromane versteht und seine Figurenpsychologie dankenswerterweise nicht ausplaudert, sondern "entschlossen ins Metaphorisch-Figurale" verlegt. Im vorliegenden Roman erzielt er dies durch Gothic-Stoffen entlehnte Gespenstervisionen und eine, im Gegensatz zu den vorangegangenen Bänden, deutlich rigorosere Erzählweise, die ihren Stoff beinahe schon in die Nähe antiker Dramen rückt, wie die Kritikerin erklärt. Dass Lehanes Coughlin-Reihe nicht nur ein sorgfältig konstruiertes Gesellschaftspanorama entwirft, sondern auch in der Nähe von Superhelden-Stoffen siedelt, rechnet sie dem Autor zudem hoch an - wie auch das düstere, kathartische Ende, in das der Autor noch geschickt ein Happy-End, wenn auch nur im Kleinen, verpackt habe.
Elmar Krekeler kann testosterongeladene Krimis eigentlich nicht leiden, aber bei Dennis Lehane macht er eine Ausnahme. Die Wärme, mit der dieser den Mafiaboss Joe Coughlin zeichnet, scheint den Rezensenten bewegt zu haben. In einen großen Mafiakrieg verstrickt, metzelt Coughlin zwar alles nieder, was ihm in den Weg kommt, am Ende bringt ihn aber die Liebe zu seinem Sohn zu Fall, lesen wir. "Zum Verzweifeln gebrochener, menschlicher" hat Krekeler noch keinen Mafiaboss erlebt.
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