Aus dem Englischen von Bernd Weigand. Gezeichnet von Dean Motter, Hernandez Brothers, Seth, Neil Gaiman, Dave McKean, Paul Rivoche. Das hatte die Comic-Welt noch nicht gesehen: eine Gruppe von jungen, wilden Zeichnern spielte mit Film Noir, deutschem Expressionismus, Art Deco und Stilzitaten von Corbusier bis Albert Speer, geschehen im Jahr 1983. In der Folge sollte Mr. X eine ganze Generation von Künstlern und Lesern in den Bann schlagen. Erzählt wird die Geschichte der utopischen Stadt Somnopolis und ihrer "Psychotektur". Ihr immerwacher Gründer und Architekt mit den vielen Namen - Simon Myers, Walter Eichmann, Welles-Bruder oder eben Mr. X - durchstreift die Straßenschluchten und versucht, Unheil von seiner Schöpfung abzuwenden.
Dean Motter ist der Schöpfer von "Mister X", jenem "Mysterium mit Glatze, Trenchcoat und Sonnenbrille", das längst Kultstatus besitzt und jetzt endlich in einem Comic-Sammelband auf Deutsch erhältlich ist, freut sich Michael Brake. Gemeinsam mit Gilbert, Jaime und Mairo Hernandez und den Zeichnern Seth und Paul Rivoche schuf Motter eine faszinierende dystopische Stadt, erklärt der Rezensent: eigentlich hatte Radiant City seine Bewohner mithilfe einer ausgeklügelten Feng-Shui-Wissenschaft unterbewusst glücklich stimmen sollen, doch die Architekten zerstritten sich und übrig blieb ein "Moloch mit defekter Psychotektur", das die Menschen in den Wahnsinn treibt, fasst Brake zusammen. "So viel zu tun? und so wenig Zeit!", so lautet das Mantra von Mister X, der die Stadt retten möchte, verrät der Rezensent, und spätestens der wachsende Retalin-Konsum unserer Tage macht diese getriebene Gestalt, die sich mithilfe chemischer Drogen vor der Zeitverschwendung Schlaf flüchtet, zu einem aktuellen Thema, findet Brake.
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