David Link

Pandaemonium

Cover: Pandaemonium
Matthes und Seitz, Berlin 2024
ISBN 9783751870160
Kartoniert, 317 Seiten, 14,00 EUR

Klappentext

Pandaemonium, das ist zunächst der Unort, Raum des Irrsinns und der Unvernunft, ist jenes Reich, in dem Dämonen, all das Grauen, das Abjekte am Gedärm und Überfluss der Gegenwart sich gütlich tun. Pandaemonium, das ist vor allem aber auch zugleich, wie David Link mithilfe seiner generativen Software "Poetry Machine" beweist, ein Ort der Möglichkeit, des unverhofften Lustgewinns und glücklichen Zufalls, wo nicht der Mensch sich selbst im computergenerierten Fabrikat erblickt, vielmehr erkennbar wird, was geschieht, wenn Algorithmen endlich frei von Effektivität, Finit- und Determiniertheit drehen, sich entfalten dürfen: Gespeist mit literarischen Werken, Artikeln aus Tageszeitungen, Lied- sowie informationstheoretischen Texten geriert sich hier ein Programm, das nicht auf Kontrolle und Vorhersagbarkeit zielt, sondern, ohne seinen technischen Charakter jemals zu verbergen, gleich einem fantastisch-fanatischen Fiebertraum Anteil nehmen lässt an der Geburt der Poesie aus dem Geist der Maschine.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.09.2024

Rezensent Oliver Jungen liest sich alles andere als gern, aber dann doch auch nicht komplett uninteressiert durch David Links mit KI-Unterstützung erstelltes Langgedicht. Tatsächlich hat Link, erfahren wir, eine eigene "Poetry Machine" programmiert, die assoziativer vorgeht als gängige KI-Textmaschinen. Freilich hat Link selbst im Anschluss, fährt Jungens Rekonstruktion des Projekts fort, die interessantesten Outputs kompiliert und vom Englischen ins Deutsche übersetzt, sodass wir es hier doch nicht mit reiner KI-Textproduktion zu tun haben. Wild durcheinander geht es hier jedenfalls um Synapsenkühe und quadratische Birnenformen. Dass das alles nahezu unlesbar ist, soll offensichtlich so sein, und es unterscheidet das Buch, gesteht der Rezensent ein, nicht von vielem anderen, was unter Poesie firmiert. Dennoch ist Jungen nicht allzu amüsiert von dem Ergebnis und auch ein begleitender Essay Siegfried Zielinskis, Jungens Doktorvater, ist nur teilweise erhellend. Eine ambitionierte Version von Noise ist das schon, was hier in Buchform vorliegt, resümiert Jungen, der das Buch freilich gleichwohl zur Frechheit erklärt und nur Maschinen zur Lektüre empfehlen möchte.

Beliebte Bücher

Julian Barnes. Abschied(e). Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln, 2026.Julian Barnes: Abschied(e)
Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte…
Dorothee Elmiger. Die Holländerinnen - Roman. Carl Hanser Verlag, München, 2025.Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen
Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter…
Elias Hirschl. Schleifen - Roman. Paul Zsolnay Verlag, Wien, 2026.Elias Hirschl: Schleifen
Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In…
Leila Slimani. Trag das Feuer weiter - Roman . Luchterhand Literaturverlag, München, 2026.Leila Slimani: Trag das Feuer weiter
Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…