Aus dem Englischen von Henning Dedekind und Heike Schätterer. Kraftwerk ist ohne Zweifel eine der einflussreichsten Bands der Popgeschichte. Alben wie Radio-Aktivität und Trans Europa Express lieferten die Initialzündung für Hip Hop und die moderne Clubkultur ohne sie wäre der Pop heute nicht so wie er ist. In Kraftwerk die unautorisierte Biographie erzählt David Buckley die Geschichte der Band von ihren Anfängen als Krautrocker bis zur Aufnahme in den Kunstkanon durch Retrospektiven im MoMA und der Tate Modern.
Eine Erzählung des 20. Jahrhunderts hat Jens Uthoff mit David Buckleys Geschichte der Band Kraftwerk gelesen, und sie hat ihn in weiten Teilen überzeugt. Wenn Buckley das konformistische Elend der deutschen Popmusik bis 1968 beschreibt, das Spiel der Musiker mit deutschen Vorstellungswelten oder den Kraftwerk-Kosmos als Gesamtkunstwerk, dann geht Uthoff mit ihm d'accord. Und auch dass er der Band mit ihren Uniformen, ihrer kühlen Distanziertheit und ihrem entsexualisierten Auftreten eine "Ästhetik des Deutschtums" zuschreibt, findet der Rezensent einleuchtend. Das ultimative Buch über die Band erwartet sich Uthoff dennoch eher von den Erinnerungen des Frontmanns Ralf Hütter.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 28.11.2013
Gleich zu Beginn seiner Kraftwerk-Biografie schreibt sich der britische Autor David Buckley seine Verehrung für die Band vom Herzen, aber dann wird er furchtbar nüchtern, schreibt Rezensent John F. Jungclaussen leicht enttäuscht. Er hätte gerne etwas länger die geteilte Verzauberung gespürt. Kraftwerk, das waren zu Beginn zunächst einmal Ralf Hütter und Florian Schneider, zwei junge Musiker die Dada, Pop und Elektro mit emotionslosem Sprechgesang mischten und damit bereits in den Sechzigern und Siebzigern die Grundlagen für die heutige Tanzmusik legten, weiß Jungclaussen. Damals war Popmusik noch Gegenkultur und der Mythos um die Band gründet zum Teil auch in der Verweigerung der Mitglieder, sich für die mediale Aufbereitung herzugeben, erklärt der Rezensent. An dieser Praxis halten jedenfalls die Gründungsmitglieder noch immer fest: Schneider und Hütter haben nicht mit Buckley gesprochen - der Mythos bleibt also unangetastet, meint Jungclaussen mit leisem Bedauern.
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