Das Interesse des Denkens

Hegel aus heutiger Sicht
Wilhelm Fink Verlag, München 2004
ISBN 9783770539277
Gebunden, 285 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Herausgegeben von Wolfgang Welsch und Klaus Vieweg. Mit Beiträgen in englischer Sprache.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.09.2004

Rezensent Oliver Jungen sieht in Eric T. Hansens "Die Nibelungenreise" einen "sentimentalen Reiseführerroman", der en passant ein ungeheures Wissenspensum abhandle. Hansens Reise im gesponserten Wohnmobil führe den Leser auf den Spuren deutscher Größen von Berlin nach Hamburg (Störtebeker), über den Harz (Theophanu) nach Xanten (Siegfried), Köln (Ursula), Aachen (Karl) und ins Nibelungenland um Worms, von Wien (Walther von der Vogelweide) nach Heidelberg (Codex Manesse), Judenburg (Ulrich von Liechtenstein) und Eschenbach (Wolfram). Jungen charakterisiert Hansens Methode als "radikale Einfühlung". Der Autor nächtige etwa im Pferdestall, um die ritterliche Mentalität zu erspüren, oder ernähre sich mit Brei- und Krapfen, um sich osmotisch an Wolfram von Eschenbach zu nähern. Bei allem Exotismus aber treffe Hansen, der ganz auf traditionelle Authentifizierung - die eigene Augenzeugenschaft und die Berufung auf Autoritäten setze -, die entscheidenden Punkte sehr genau. Hansens Stil, mittelalterlich oral, findet Jungen bisweilen etwas strapaziös, was der Autor durch seine "bestechende Ehrlichkeit" allerdings wieder ausgleichen kann. Erst allmählich werde Hansens wirklicher Anspruch deutlich: "Nicht das Mittelalter in Deutschland zu finden, sondern Deutschland im Mittelalter."
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.09.2004

Als "inspirierender Schlüsselgewaltiger" der Moderne hat Hegel keineswegs ausgedient. Davon zeugt für Rezensent Thomas Sören Hoffmann dieser von Wolfgang Welsch und Klaus Vieweg herausgegebene Band, der Beiträge von vierzehn Philosophen aus Deutschland, Japan und den Vereinigten Staaten versammelt, die die Bedeutung Hegels für die Moderne und ihr Verständnis beleuchten. Im Konfliktfall entschieden sich die Beiträge mehrheitlich nicht für Kant, sondern für Hegel, berichtet Hoffmann. Richard Rorty erläutere den Hintergrund für den entschiedensten Hegelianismus auf Seiten der Amerikaner und Robert Brandom würdige den "semantischen Holismus" und damit den umfassenden Systemanspruch Hegels. Während Terry Pinkard an die von Hegel aufgewiesene "soziale" Bedingtheit unserer Maßstäbe im Handeln und Erkennen als den entscheidenden Durchbruch zum Selbstbewusstsein der Moderne erinnere, untersuche Klaus Vieweg die Varianten von Hegels "Inklusion" der philosophischen "Teufelsküche", des Skeptizismus, in das philosophische Denken. Als Pointe von Hegels "Modernität" begreift Hoffmann, dass sie im Irrationalen nicht das unabwendbare Geschick des Nihilismus sehe, sondern den Stachel freiheitlicher Bewährung von Vernunft.
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