Daniela Krien

Irgendwann werden wir uns alles erzählen

Roman
Cover: Irgendwann werden wir uns alles erzählen
Graf Verlag, München 2011
ISBN 9783862200191
Gebunden, 235 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Es ist Sommer, heißer, herrlicher Sommer. Der Hof ist ein Dreiseithof. Schaut man geradeaus, sieht man eingezäunte Wiesen und den Bahndamm, und hinter den Schienen, in einiger Entfernung, doch klar erkennbar: den Henner-Hof. Maria wird bald siebzehn, sie wohnt mit Johannes auf dem Hof seiner Eltern, in den Spinnenzimmern unterm Dach. Sie ist zart und verträumt, verkriecht sich lieber mit den Brüdern Karamasow als in die Schule zu gehen. Auf dem Nachbarhof lebt der vierzigjährige Henner, allein. Die Leute aus dem Dorf sind argwöhnisch: Eine Tragik, die mit seiner Vergangenheit zu tun hat, umgibt ihn; gleichzeitig ist er ein Mann, dessen charismatische Ausstrahlung Eifersucht erregt. Ein zufälliger Blick eines Tages, eine zufällige Berührung an einem andern lösen in Maria eine Sehnsucht aus, die fremd und übermächtig ist und sie daher wie von höherer Gewalt geleitet in Henners Haus und in seine Arme treibt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 17.04.2012

Das Potenzial dieses Debüts steht Rainer Moritz klar vor Augen. Dass die junge Autorin die Geschichte einer Amour fou zwischen einem älteren Mann und einer 16-Jährigen mit der Unruhe der Übergangszeit in der sich auflösenden DDR zu verbinden weiß, flößt ihm Respekt ein. Die Unsicherheiten verdoppeln sich also auf einleuchtende Weise, stellt er fest. Zugleich jedoch erfüllen ihn die Perspektive und der damit einhergehende Stil mit Sorgen. Der einfache Sprachduktus eines 16-jährigen Mädchens, für den sich Daniela Krien entschieden hat, erscheint ihm dann doch zu schlicht und unpoetisch und bisweilen banal. Schade, findet er, und wünscht der Autorin künftig mehr Zutrauen in die Poesie der Sprache. Damit so ein fesselnder Text noch stärker wird.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 30.12.2011

Daniela Krien erzählt in ihrem Roman von der rohen Liebe in der einfachen Welt, und die Rezensentin Hanna Lühmann will da in ihrer Rezeption nicht zurückstehen. Rückkehr in die Naivität scheint das Programm auch zu lauten, wenn Lühmann von der Lektüre erzählt: vom Henner, der die Maria so brutal nimmt, und der Maria, die den Henner so sehr liebt ("Sie will für ihn kochen, ihm später ein Kind gebären"). Henner, so erfahren wir, ist zwar ein ungehobelter Klotz, der seine Hunde schlägt , ist aber - das Ganze spielt zur Wendezeit 1990 - fast so etwas wie ein Bürgerrechtler, also kein schlechter Kerl. Ganz ergriffen ist Lühmann von der Archaik und Erdgebundenheit dieser Prosa wie auch von der Kargheit und Präzision der Sprache.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 20.10.2011

Nur keine Angst, ruft Rezensentin Gabriele von Arnim, vor großen Gefühlen, ländlicher Idylle und pathetischer Sprache. Denn in ihrem Debütroman erzählt Daniela Krien mit großer Ernsthaftigkeit von noch größerer Leidenschaft, so dass der Rezensentin schnell klar wurde, dass Krien zwar aus Leipzig kommt, aber nicht aus der Leipziger Schreibschule. Der Roman erzählt von der 17-jährigen Maria, die mit ihrem Freund auf dem Bauernhof seiner Eltern lebt, tatsächlich roten Bäckchen bekommt, wenn sie für ihren guten Kuchen gelobt wird, und in ein obsessives Verhältnis mit dem 40-jährigen Trinker vom Nachbarhof gerät. Die Rezensentin hat diesen archaischen und leuchtenden Roman voller Sinneslust verschlungen. So hat Arnim das lange nicht gelesen.
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