Toxibaby
Roman

Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2026
ISBN
9783462009798
Gebunden, 240 Seiten, 23,00
EUR
Klappentext
Dana von Suffrin erzählt in "Toxibaby" von einer Beziehung, die alles will: Rettung, Erkenntnis, Erlösung. Herzchen liebt Toxibaby und Toxibaby liebt Herzchen, die zwei ziehen sofort zusammen und adoptieren einen Hund - und trotzdem funktioniert überhaupt nichts. Herzchen ist die gefeierte Millennial-Schriftstellerin, die alles hat, noch mehr will, und doch unglücklich ist, Toxibaby ist Anfang vierzig und meint, die Last der gesamten Welt auf seinen Schultern zu tragen. Doch für Herzchen ist er der Mann, der ihr alles bedeutet und der ihr alles nimmt. Er ist schön, brillant, wütend auf die Welt - und auf sie. Was als rauschhafte Liebe beginnt, wird zu einem Kampf um Nähe und Selbstbehauptung, ein Spiel aus Hingabe, Abhängigkeit und intellektuellem Kräftemessen.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 08.04.2026
"Drama, Baby, Drama", das ist das Motto von Dana von Suffrins neuem Roman, den Rezensentin Meike Feßmann mit viel Vergnügen gelesen hat: Die Autorin beschreibt die Liebeswirren zwischen "Herzchen" und "Toxibaby", er ist Marxist, älter, drogenaffin, sie verdient mehr und hat einen Helfer-Komplex. Die beiden lieben und hassen sich, trennen sich und kommen immer wieder zusammen: wie auch in von Suffrins humorvollen Porträts jüdischer Familien entwickle diese Geschichte eines rasante Eigendynamik von "wohlkalkulierter Wildheit". Auch ihre eigenen Karriere nimmt die Autorin aufs Korn, denn Herzchen ist Schriftstellerin, wie die Kritikerin verrrät. Das ist witzig, manchmal auch seicht - in jedem Fall aber sehr unterhaltsam, versichert Feßmann.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 28.03.2026
Kritiker Carsten Otte feiert den dritten Roman von Dana von Suffrin als "wildwitziges Stück Literatur": On-Off-Beziehung und politische Abgründe greifen auf persiflierende und hoch amüsante Weise ineinander. Die Protagonistin Herzchen Goldberg ist Schriftstellerin, sie ist immer mal wieder und dann wieder nicht mit Toxibaby zusammen, ein Mann, der sein eigenes Leben kaum bezahlen kann, sich von ihr aushalten lässt und ihr dann ständig die Welt mansplaint, erfahren wir, gelegentlich ist er aber auch liebenswürdig. Otte liest in den Klischeespielen aber auch ziemlich bittere Wahrheiten, etwa zum Antisemitismus im Kulturbetrieb. Herzchen hat einen Roman über ihre Familiengeschichte geschrieben, die "überwiegend in einem der Außenlager von Auschwitz-Birkenau geendet war", was sie aber auch immer wieder gegenüber Toxibaby in Stellung bringt, um sich gegen dessen Verhalten zu wehren, lesen wir. Der Rezensent hat jedenfalls großen Spaß mit Suffrins bissigem Humor.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 26.03.2026
Rezensentin Judith von Sternburg amüsiert sich köstlich mit Dana von Suffrins neuem Roman, der mit einem ziemlich katastrophalen Urlaub startet: Die Ich-Erzählerin Herzchen Goldberg hat ihren neuen Lover Toxi dazu eingeladen. Toxi verhält sich seinem Namen entsprechend ziemlich, hat kein Geld, mit über 40 noch nicht wirklich was erreicht, und neidet Herzchen ihren Erfolg als Schriftstellerin, lesen wir. Beide sind recht klischeehaft aufgebaut, aber für Sternburg spielt Suffrin auf unterhaltsame Weise mit den Stereotypen, so zum Beispiel mit Schuld als "jüdische Krankheit". Auch der deutsche Kulturbetrieb zwischen Philo- und Antisemitismus bekommt sein Fett weg: So schreibt Suffrin über eine Redakteurin, die Herzchen wegen ihrer tragischen Familiengeschichte unbedingt auf dem Friedhof filmen will. Und doch arrangiert sich Herzchen mit ihrer "Existenz als lebendiges Mahnmal", lesen wir. Für die Kritikerin ist dieser schmale, in Endlossätzen geschriebene Romane eines der "verrücktesten und zeitgenössischsten" Bücher der Saison.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 17.03.2026
Rezensentin Sara Peschke ist begeistert von diesem analytischen, toxischen und gleichzeitig sehr lustigen Liebesroman der promovierten Historikerin und Autorin. Darin erzählt sie von der euphorisch beginnenden, aber doch schließlich ins Toxische kippenden Liebesbeziehung zwischen den bewusst oberflächlich benannten Millenials Herzchen und Toxi, lässt uns die Kritikerin wissen. Auf den liebevollen, mit der gemeinsamen Lektüre von Dantes "Göttlicher Komödie" verbrachten Italien-Urlaub folgen die typischen, emotionalen Auf-Ab-Bewegungen, die eine typische toxische Millenial-Beziehung definieren. Was für Peschke jedoch die Besonderheit des Textes ausmacht, ist sein umfassend gesellschaftsdiagnostischer Blick, der diese einzelne Beziehung in den Kontext der Weltgeschichte setzt. In klugen und sorgfältig gebauten, langen Sätzen gelingt es der Autorin, "nach dem Großen im Kleinen" zu suchen und etwa in der Art, wie wir Cola trinken, das Paradoxe unserer Existenz aufzudecken, jubelt Peschke.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.03.2026
Für Rezensentin Katharina Teutsch reiht sich der neue Roman von Dana von Suffrin gut ein in das bisherige Oeuvre der Autorin, Bücher über deutsch-jüdische Familienverhältnisse. Die Geschichte um zwei Großstadtneurotiker, er arbeitslos aus Überzeugung, sie Autorin mit dem nötigen Cash, liest Teutsch durchaus mit Vergnügen, schon weil der Sound stimmt, wenn die beiden ihre "emotionale Monsterwelle" reiten. Dass die Sätze im Buch eine beträchtliche Länge erreichen können, kann Teutsch da verkraften. Den titelgebenden Kosenamen offenbar auch.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 14.03.2026
Dana von Suffrins Roman "Toxibaby" ist eine fein erzählte, vielschichtige Geschichte trotz popliterarischen Anstrichs, lobt Rezensentin Anna Weiss. Suffrin schildert darin die On-off-Beziehung der Autorin Herzchen Goldstein zu dem suchtkranken, paranoischen Toxibaby, die von psychischer Gewalt, vererbten jüdischen Schuldgefühlen und Herzchens Rolle im Kulturbetrieb als Jüdin vom Fach geprägt ist. Besonders faszinierend findet Weiss Suffrins lakonisch-humorvollen Stil, mit dem sie die beschädigten Figuren lebendig mache und familiäre Traumata sowie Nichtverstehen beiläufig und "grausam-komisch" entfalte. So wird aus einer vermeintlichen Liebeskarikatur eine lesenswerte Auseinandersetzung mit persönlicher und generationeller Zerbrechlichkeit, versichert die Kritikerin.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 12.03.2026
Rezensentin Maja Beckers trifft sich mit Dana von Suffrin zu einem Spaziergang in München, entlang den Schauplätzen ihres neuen Romans, zum Beispiel dem Museum Brandhorst: Dort versucht einer ihrer Protagonisten, der Millenial Toxibaby, neue Frauen aufzureißen, ihre Ich-Erzählerin Herzchen bemitleidet sich dort selbst. Beide stecken in einer toxischen Beziehung, ohne dass der Schaden nur von einer Person ausgehen würde, wie Beckers schildert, Komik und Tragik greifen dabei direkt ineinander. Für Beckers überzeugt nicht nur der absolut zeitgemäße Bezug von Suffrins Thema, sondern auch die rhythmischen Sätze, die alle ambivalenten Ecken der modernen Liebe ausloten und dabei die Traditionen der jüdischen Moderne und der russischen Literatur des 19. Jahrhunderts mitbringen. Der scharfe Blick der Autorin fällt der Kritikerin auch in ihren mutigen Kommentaren zum Antisemitismus der Gegenwart auf, wie sie schließt.