Dacia Maraini

Das Mädchen und der Träumer

Roman
Cover: Das Mädchen und der Träumer
Folio Verlag, Wien - Bozen 2017
ISBN 9783852567150
Gebunden, 340 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Aus dem Italienischen von Ingrid Ickler. Träume sind Bruchstücke einer Wirklichkeit. Das weiß der Lehrer Nani Sapienza, als er von einem Mädchen träumt, das seiner verstorbenen Tochter ähnlich sieht. Nachdem er am Morgen danach von der vermissten Lucia im Radio hört, ist er überzeugt, dass sie ihm im Traum erschienen ist. Lucia ist spurlos verschwunden, und nach Wochen der vergeblichen Suche geben Polizei und Eltern auf. Nur Nani hört nicht mit seinen Schlussfolgerungen und besessenen Nachforschungen auf und zieht den Argwohn der Kleinstadt auf sich - aber seine Schüler der vierten Grundschulklasse, die nie genug von den wundersamen Erzählungen ihres Lehrers bekommen, bringt er zum Nachdenken. Die Suche nach Lucia wird bald zu einer Suche nach sich selbst.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 30.03.2017

Rezensent Franz Haas hat die italienische Grande Dame der Literaturszene Dacia Maraini in Rom getroffen, um mit ihr über Kindheit, über Feminismus und ihren neuen Roman zu sprechen. "Das Mädchen und der Träumer" ist ebenso Kriminalroman wie "finsteres Sittenbild" des heutigen Italiens, lesen wir. Es geht, wie in vielen ihrer Bücher, um Kindheit, was man nach Haas' kurzem biografischen Überblick sehr gut nachvollziehen kann, aber es geht auch um Pädophilie, um Verbrechen, Verleumdung, um Sextourismus und Fanatismus. Auf den Einwand, ob das nicht eine allzu übertriebene Anhäufung "menschlicher Niedertracht" wäre, lässt der merklich bewundernde Rezensent die Autorin selbst antworten: Die Realität sei doch noch um einiges erschreckender.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 18.02.2017

Für Rezensent Marc Reichwein ist Dacia Maraini nicht nur die "Großfeministin" sondern gleich die "Grande Dame" der italienischen Literatur. Ganz so superlativisch fährt der Kritiker in seiner Besprechung des zwischen Thriller und Psychogramm oszillierenden Romans dann aber nicht fort: Vom Thema Kindesverlust und den traumatischen Folgen erzählt die Autorin überzeugend, so Reichwein, wenngleich er gestehen muss, dass sie ein paar "Spuren" zu viel auslegt: islamistische Fundamentalisten tauchen hier ebenso auf wie Kinderbordelle in Kambodscha oder verschiedene Formen der Pädophilie, klärt der Rezensent auf. Dass Maraini in dozierendem Duktus auch noch eine Kulturgeschichte des Kindesverlusts von Rotkäppchen über Alice im Wunderland bis zum Raub der Sabinerinnen unterbringt, scheint ihn hingegen nicht zu stören.

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