Aus dem Französischen von Marion Herbert. Cyril Pedrosa entwirft ein Kaleidoskop von Personen, deren Wege sich im Laufe eines Jahres kreuzen. Jede Jahreszeit hat eine eigene grafische Identität, jede Stimme ebenso. In episodischen Momentaufnahmen zeigt er mal gewöhnliche, mal bedeutsame Augenblicke aus dem Leben seiner Figuren mit ihren Sehnsüchten und Ängsten, ihren Träumen und Nöten. Das verbindende Element: eine Fotografin, die im Hintergrund ihre Linse direkt ins Herz der Figuren zu richten scheint, wie es einst Vivian Maier meisterhaft verstand. Mit "Jäger und Sammler" wagt der Comiczeichner Cyril Pedrosa nun erzählerisch wie grafisch ein Experiment.
Ralph Trommer hat ein seltenes Stück gezeichnete Literatur zu annoncieren. Cyril Pedrosas Graphic Novel scheint ihm aus dem Rahmen des Genres zu fallen, indem der Autor hier unter Verzicht auf Dialoge verschiedene eher unspektakuläre Lebenswege, erzählt als innere Monologe, anreißt und schließlich aufeinander zu führt. Für Trommer ein Erlebnis von erzählerischer Tiefe, da es dem Autor gelingt, seine feinen, detaillierten, dem Animationsfilm verwandten Zeichnungen auf die Texte zu beziehen und so die subtilen Wandlungen der Figuren erfahrbar macht. Stimmungs- und gefühlvoll, als hätte Pedrosa dem Leben selbst die Geschichten abgezeichnet, meint der Rezensent.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 26.07.2016
In jedem Fall geht Cyril Pedrosa mit seinem neuen Comic "Jäger und Sammler" ein Wagnis ein, versichert Rezensent Thomas von Steinaecker, der sich auf die Mischung aus textfreien Bildseiten und bildfreien Textpassagen gerne einlässt. Zunächst scheint dem Kritiker Pedrosas Experiment auch zu gefallen: Die Verbindung aus amerikanischen Story-Telling und "europäischer Nachdenklichkeit" überzeugt Steinaecker einmal mehr, darüber hinaus lobt er das Zusammenspiel von Witz und Melancholie bei Pedrosa. Allerdings muss der Rezensent gerade mit Blick auf das fulminante Finale dieser Graphic Novel um drei desillusionierte Existenzen feststellen, dass es Pedrosa weder gelingt, die Spannung aufrecht zu erhalten, noch die Schicksale seiner Figuren plausibel miteinander zu verknüpfen. Auch die Textpassagen fallen leider deutlich hinter die herrlich "atmosphärischen" Bilder zurück, schließt der Kritiker.
Shida Bazyar: Die Lücken Heimesbach im Hunsrück ist ein fiktiver Ort, an dem sich neunzig Jahre deutscher Geschichte in die Mauern und Biografien eingenistet haben. Es ist eine Gemeinde, die ihre… Dana Vowinckel: Anton und Alma Anton und Alma lernen sich bei einem Schüleraustausch in der Bretagne kennen. Jahre später treffen sie sich auf einer Party wieder. Beide kommen aus Berlin und studieren… Eva Menasse: Alleinruhelage Nach dem Ende der Ehe steht eine Frau mit ihrem Wochenendhaus plötzlich allein da. Hier hat sie einst mit der Familie die Idylle gesucht und will nun den Neuanfang wagen.… Ingo Schulze: Das Wasser im August Eingeladen zu einer Lesung aus seinem unfertigen Manuskript, fährt der Erzähler nach Mecklenburg. Eine Landschaft mit weitem Horizont und Wolken, die tief über die Seen ziehen.…