Der Sommer 1945 hat sich Cornelia Schmalz-Jacobsen tief ins Gedächtnis gebrannt. Sie erlebte das Kriegsende als zehnjähriges Mädchen bei Verwandten an der Ostsee. Den Anmarsch der Russen empfand sie als Befreiung: Endlich war der Krieg mit seinen Berliner Bombennächten vorbei, es bestand keine Gefahr mehr durch SS oder Gestapo. Die Last des jahrelangen Schweigens über die Gesinnung ihrer Eltern - sie waren aktive Nazi-Gegner - fiel von ihr ab. Vor allem aber ihre Freundschaft zu drei jungen Rotarmisten machte diesen Jahrhundertsommer für sie unvergesslich. Auch wenn die Erinnerungen an diese Zeit überwiegend glücklich waren - die dunklen Momente blieben ihr nicht verborgen: So berichtet sie von der diffusen Angst der Frauen vor den Soldaten, von Kriegsgefangenen, von versteckten SS-Leuten und ganzen Familien, die sich nach Ende des NS-Regimes das Leben nahmen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 06.02.2017
Die Kindheitserinnerungen der ehemaligen FDP-Politikerin Cornelia Schmalz-Jacobsen überraschen Robert Probst mit einer ungetrübten Sicht auf die russische Besatzungszeit in eher russlandkritischen Zeiten. Durch die "nassforsche" Stadtgöre der Erzählerin lernt Probst die Russen als Befreier kennen, und sowohl die Gewalt der Nazis als auch die Vergewaltigungen der Besatzer erscheinen als dunkle Flecken in einem Kinderparadies.
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