Cormac McCarthy

Kein Land für alte Männer

Roman
Cover: Kein Land für alte Männer
Rowohlt Verlag, Reinbek 2008
ISBN 9783498045029
Gebunden, 288 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Nikolaus Stingl. Hobby-Jäger Bill Moss findet bei einem morgendlichen Ausflug in die texanische Wüste drei zerschossene Geländewagen. Drinnen sitzen Tote, aus einer aufgeschnittenen Tüte rieselt Heroin. Ein Stück weiter, entlang einer Blutspur, noch eine Leiche, die einen Koffer mit 2,4 Millionen Dollar darin umklammert. Einer schlechten Eingebung folgend, nimmt Moss den Koffer mit und macht prompt den Fehler, in der Nacht zurückzukehren, um seine Spuren zu verwischen. Da warten bereits mit MPs bewaffnete Gangster auf ihn. Zwar kann er entkommen, doch nun jagt eine ganze Bande von Killern den Jäger, namentlich ein Psychopath namens Chigurh - ein Mann mit ethischen Prinzipien: Er tötet, selbst wenn die Gründe sich erledigt haben. Seine Lieblingswaffe ist ein Bolzenschussgerät. Berichtet wird all dies vom entgeisterten Provinzsheriff Bell, ebenfalls ein prinzipienfester Mann, der mit dem modernen Verbrechen nicht mehr zurechtkommt, ja nicht einmal mehr weiß, was gut, was böse ist.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.06.2008

Nicht minder bedeutend und nicht minder nobelpreiswürdig als die immer noch berühmteren, aber ebenso nobelpreislosen amerikanischen Kollegen Philip Roth und John Updike ist für Hubert Spiegel der Literat Cormac McCarthy. Dies Buch ist hierzulande, wohl der Verfilmung wegen, im Deutschen erst jetzt erschienen, fast zeitgleich mit dem ihm im Original erst ein Jahr später folgenden "Die Straße". Spiegel bespricht sie in einer Kritik - und macht keinen Hehl daraus, dass dieses das schwächere der beiden ist. Deshalb freilich noch lange nicht schwach. Die Spannungsdramaturgie überzeugt den Rezensenten nämlich ebenso wie die Figur des Killers Chigurh, die allerdings noch stärker wäre, hätte sie nicht den bei McCarthy gelegentlich anzutreffenden Hang zur "hohl klingenden Sentenz". Das eigentliche Problem des Romans liegt für den Rezensenten aber in den kursiv gedruckten Monologen des Sheriffs, der ein sehr zum "Moralisieren" neigender und vor allem - so kursiv vor sich hin - auch viel und allzuviel denkender Schweiger ist. Der Film, erkennt Spiegel an, hat da die notwendigen Kürzungen besorgt, die auch dem Buch gut getan hätten.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 14.04.2008

"Kein Land für alte Männer" ist für Rezensent Christoph Schröder zwar nicht der "radikalste", auch nicht der "beste" Roman von Cormac McCarthy, auf jeden Fall aber ein "großes Buch". Der Erfolg der Verfilmung durch die Coen-Brüder hat ihn keineswegs überrascht und so gibt er seiner Hoffnung Ausdruck, McCarthy möge dadurch in Deutschland endlich die verdiente Berühmtheit zuteil werden. Beeindruckt hat ihn die Kompromisslosigkeit, mit der das in einem alttestamentarischen Sinn Böse hier auftritt. Die Welt, die McCarthy zeigt, ist für ihn eine Welt der Gier und Gewalt, aus der sich Gott verabschiedet hat, für die es keine Hoffnung gibt, in der wie selbstverständlich gemordet, aus gutem Grund oder völlig grundlos. Dabei hebt Schröder besonders den Kontrapunkt zur Grausamkeit hervor, die das Grausame noch grausamer mache: einen Stil voller "Intensität und überzeitlicher Schönheit", eine Sprache, "die in ihrer Erhabenheit und Schärfe einzigartig ist". Mit Lob bedenkt er in diesem Zusammenhang auch die ausgezeichnete Übersetzung von Nikolaus Stingl.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 11.03.2008

2005 wollte die enttäuschte amerikanische Kritik Cormac McCarthys jüngsten Roman "No Country for Old Man" höchstens als Vorlage für einen Actionthriller gelten lassen, erinnert Michael Schmitt. Nun erscheint die deutsche Übersetzung tatsächlich kurz nach der Oscar-prämiierten Verfilmung und kann sich ohne Weiteres gegenüber dem Film behaupten, versichert der Rezensent. Wenn man dem Buch, in dem der Vietnamveteran Llewellyn Moss 2,4 Millionen Dollar Drogengeld findet und daraufhin von Berufskiller Anton Chigurh gejagt wird, die Handlungslastigkeit vorwirft, übersieht man geflissentlich die melancholisch-philosophischen Fragestellungen, mit denen sich - wie übrigens schon die Hauptfiguren von McCormacks früheren Büchern - die Protagonisten herumschlagen, meint der Rezensent. Er räumt ein, dass der oberflächliche Eindruck vor allem vom blutrünstigen Gemetzel dominiert wird, das der Auftragskiller entfesselt. Doch versichert Schmitt, dass sich der Roman bei näherem Hinschauen als so etwas wie eine eindrucksvolle "Fortschreibung von Samuel Becketts "Endspiel"" entpuppt, die hin und wieder "düsteres Lachen" provozieren wird.