Rudolf Virchow (1821-1902) faszinierte durch die Vielzahl seiner Tätigkeiten bereits die Zeitgenossen. Als Mediziner, Anthropologe und Linksliberaler verkörperte er den Typus des politischen Gelehrten, der mit seiner wissenschaftlichen Arbeit stets auch dieVerpflichtung zu öffentlichem Engagement verband. Er kann als exemplarischer Vertreter einer Generation gelten, die den Glauben an das "naturwissenschaftliche Zeitalter" mit ungebrochenem Fortschrittsoptimismus verknüpfte. Constantin Goschler unterzieht das vertraute Bild des großen Gelehrten, das ihn oft auf den Begründer der Zellularpathologie und des "Kulturkampfs" reduziert, einer gründlichen Neubewertung. Sein wissenschaftliches und politisches Wirken werden systematisch und umfassend aufeinander bezogen. Dabei steht die Frage nach dem Zusammenhang zwischen dem Weltbild der Naturwissenschaften und den demokratisch-liberalen Utopien im Mittelpunkt. Die Untersuchung von Virchows biographischem Selbstentwurf zeigt eine Persönlichkeitzwischen existenziellen Selbstzweifeln und Erstarrung, die bereits zu Lebzeiten zum öffentlichen Mythos wurde.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.03.2003
Rudolf Virchow war nicht nur der "berühmter Pathologe", der die Medizin als Naturwissenschaft etablierte, sondern auch liberaler Politiker, Anthropologe, Ethnologe und Prähistoriker. Außerdem setzte er sich als Stadtverordneter aktiv für die Berliner Stadtpolitik ein, gründete Museen und Krankenhäuser und modernisierte die Trinkwasserversorgung, berichtet Kai Michel. In seiner Rudolf Virchow gewidmeten Habilitationsschrift stellt sich der Historiker Constatin Goschler die Frage, wie "verschiedene gesellschaftliche Gruppen Virchow mittels Glorifizierung vereinnahmten", so Michel. Goschler möchte mit seiner Studie am Beispiel Virchows "Probleme der Wissenschafts- und Liberalismusgeschichte mit solchen einer Sozialgeschichte der Gelehrten im neunzehnten Jahrhundert" verbinden und sie in einer "integrierten Perspektive" diskutieren, zitiert Michel. Dieses Unterfangen sei Goschler durchaus gelungen, lobt der Rezensent, denn nebenbei hat er es auch geschafft, eine wirklich "fulminante Biografie" zu schreiben.
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