Die Schwestern
Roman

Hanser Berlin, Berlin 2026
ISBN
9783446286498
Gebunden, 128 Seiten, 22,00
EUR
Klappentext
Aus dem Englischen von Giovanni und Ditte Bandini. Núria, Conxita und Montse sind noch Kinder, als sie nach dem Tod des Vaters ihre katalanische Heimat verlassen, um zusammen mit ihrer Mutter nach Argentinien auszuwandern. Sie, die sich so nahestanden, entfremden sich dort zunehmend. Jede der drei Schwestern geht ihren eigenen Weg. Erst als sie Jahrzehnte später gemeinsam das Haus ihrer Tante in den Pyrenäen erben, wo sie als Kinder ihre Ferien verbrachten, finden sie wieder zusammen.
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Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 28.04.2026
Rezensentin Juliane Liebert bedauert, dass der deutsche Verlag nur diese eine Erzählung aus Colm Toibins Band "The News from Dublin" veröffentlicht. Die anderen Texte erscheinen ihr sogar noch stärker. Allerdings schärft die Beschränkung den Blick für das Motiv des Lebens und Leidens im Exil, meint Liebert. Die Geschichte über drei Schwestern im argentinischen Exil erzählt laut Liebert aus Frauensicht vom Preis der Assimilation und des erkauften sozialen Aufstiegs. Die Tragik der Exil-Biografie erfasst Toibin gewohnt lakonisch, aber nicht ohne Deutlichkeit, stellt Liebert fest.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 22.04.2026
Rezensentin Sylvia Staude kann einiges anfangen mit diesem Buch Colm Tóibíns. Der irische Autor hatte die Geschichte um eine Mutter, die mit ihren drei Schwestern von Spanien nach Argentinien ausgewandert ist, ursprünglich in einem Band mit acht anderen Erzählungen veröffentlicht - auf Deutsch liegt jetzt nur diese eine vor. Im Zentrum steht die jüngste Tochter Montse, die sich deutlich von ihren Schwestern unterscheidet und die Härten in ihrem Leben ohne zu klagen hinnimmt. Als eine abgehärtete Frau stellt Staude sich diese Montse vor, wobei der nüchterne Erzähler Tóibín nichts über ihr Äußeres mitteilt. Es scheint vor allem die eigenartige und insgesamt mit ihrem schweren Leben durchaus nicht unglückliche Hauptfigur zu sein, die die Rezensentin an diesem Buch fasziniert.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 11.04.2026
Rezensent Oliver Jungen schwärmt von Colm Tóibíns neuem Buch. "Würdevoll" und "lebensklug", dabei aber völlig ohne "Seelenkitsch" gelinge dem britischen Autor ein feinfühliges Porträt dreier Schwestern und ihrer späten Rückkehr an ihren Heimatort, nachdem sie in jungen Jahren mit ihrer Mutter aus Katalonien nach Argentinien ausgewandert waren. Besonders gut findet der Kritiker dabei die Entscheidung, die Ereignisse gänzlich aus der Perspektive der jüngsten, zurückhaltenden Schwester Montse zu erzählen, die die selbstbewusste, auch egoistische Art der ältesten Schwester Núria beobachtet und deren erfolgreiches Einheiraten in die gehobene Argentinische Gesellschaft, während sie selbst Rückschläge erleidet - die Rückkehr ins Heimatdorf dann aber umso beherzter und "nachhaltiger" für sich gestalten kann. Wie der Autor durch diese Perspektive und auf dem engen Raum einer Novelle von den komplexen familiären Beziehungen erzählt, von Fragen nach Identität, Zugehörigkeit und einem "Zurückspringen" an den Anfang des Lebens, und wie er dabei psychologische Feinheiten mit Bildstärke verbindet, erntet großen Respekt beim Kritiker.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 09.04.2026
Zwar würde Rezensent Rainer Moritz diesen Roman des irischen Schriftstellers Colm Tóibín eher als "Nebenwerk" bezeichnen, allerdings: Auch die Nebenwerke dieses Autors sind um Längen besser, als die vieler seiner Kollegen, meint er. In einer "fein gebauten Erzählung" schildert Tóibín den Lebensweg der drei sehr unterschiedlichen Schwestern Núria, Conxita und Montse, die mit ihrer Mutter von Katalonien nach Argentinien auswandern und dort bald eigene Wege gehen. Unerwartet werden sie Jahre später wieder zusammengebracht, als sie das Haus ihrer Tante in der Heimat erben, lesen wir. Nun müssen sich die Schwestern während eines Sommers in den Pyrenäen zusammenraufen, neu kennenlernen und ihr schwieriges Verhältnis zueinander aufarbeiten, denn ein Verkauf des Hauses ist nur einvernehmlich möglich - "feinfühlig und komisch" beschreibt Tóibín die psychologischen Dynamiken zwischen den Dreien, die sich nach all den Jahren immer noch leidenschaftlich streiten, freut sich der Kritiker. Nicht ganz so "dicht" ist dieser Roman wie die Hauptwerke, dennoch spricht Moritz eine klare Empfehlung aus.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 17.03.2026
Rezensent Paul Jandl liest diese Erzählung des irischen Schriftstellers über die Wiederbegegnung dreier katalanischer Schwestern mit distanzierter Faszination. Als Einzelerzählung aus dem Prosaband "The News from Dublin" ausgekoppelt, erzählt der Autor vom Aufbruch der jungen Schwestern von ihrem katalanischen Dorf nach Buenos Aires, wo sie sich dann für viele Jahre aus den Augen verlieren, fasst der Kritiker zusammen. Nachdem ein Brief die drei darüber in Kenntnis setzt, dass sie das Haus ihrer soeben verstorbenen Tante geerbt haben, treffen sie sich im hohen Alter im katalanischen Dorf Burg wieder, resümiert Jandl weiter. Bemerkenswert findet er, dass der in kargen Sätzen verfasste Text, ausgehend von der Eigenschaftslosigkeit der Protagonistin und mittleren Schwester Montse, von einer merkwürdigen Starrheit durchzogen ist. In der Art, wie alle Schwestern selbst nach so langer Zeit miteinander wieder in bekannte Rollen zurückfallen, sieht Jandl ein für den Autor typische Lektion über die psychologischen Dynamiken in einer Familie. Die Figuren bleiben jedoch hier seltsam unbefreit - ein bisschen mehr Experimentierfreude hätte dem Roman wohl gutgetan, schließt Jandl.