Clemens J. Setz

Die Frequenzen

Roman
Cover: Die Frequenzen
Residenz Verlag, Salzburg 2009
ISBN 9783701715152
Gebunden, 714 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Dies ist die Geschichte von Walter, dem Sohn eines Architekten mit Einfluss. Er will Schauspieler werden oder will es nur sein Vater? Walter bekommt seine Chance, als ihn Valerie, eine Psychotherapeutin, die bessere Tage gesehen hat, engagiert, um in Gruppensitzungen fiktive Patientenrollen zu spielen. Doch er geht zu sehr in seiner Rolle auf. Dies ist die Geschichte von Alexander. Er ist Altenpfleger, ein junger Mann mit ausufernder Phantasie, die sich im Schatten einer einsamen Kindheit entwickelt hat. Alexander kündigt seinen Job, und er will seine Freundin loswerden, um mit Valerie zusammenzuleben. Doch die wird eines Tages brutal zusammengeschlagen.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 08.10.2009

Kühn findet es Rezensentin Daniela Strigl, dass ein junger, 1982 geborener Autor es wagt, einen 700 Seiten langen Roman vorzulegen. Schauplatz ist Graz. Es geht um einen eher ungewöhnlichen Vater-Sohn-Konflikt, lesen wir: Der Vater, berühmter Architekt, möchte gern, dass sein Sohn Walter auch was Künstlerisches macht, aber der sagt nur: "Mir fällt nichts ein." Und das scheint gewissermaßen nur ein Nebenstrang zu sein, neben den Liebesgeschichten von Alexander, einem Freund des Helden, und dessen Vater, der eine Autopanne nutzt, um der Familie davon zu fahren. Aber Setz hat die verschiedenen Erzählstränge gut im Griff, meint Strigl. Gut gefallen haben ihr auch die ungewöhnlich genauen Beschreibungen der "sexuellen Übungen", die absolviert werden. Es ist ein "in die Magengrube fahrendes Buch", ruft sie begeistert, das insbesondere von der Sprache des Autors – "waghalsigen Bildern und prägnanten Sätzen" – lebt. Der riskiere nämlich was, der Setz.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 25.09.2009

Rezensent Sebastian Fasthuber geht hart ins Gericht mit dem zweiten Roman von Clemens J. Setz. Für ihn zeigt sich der Autor in diesem Buch manchmal als Genie, aber allzu oft dann wieder als Schwurbelkopf und Leerläufer. Den Faden verliert Fasthuber auf den 700 Seiten jedenfalls mehr als einmal. Es geht um die Familien- und Vater-Sohn-Beziehungen zweier nicht ganz unproblematischer Schulfreunde, die sich eines Tages wiedersehen. Das Rencontre aber gebiert laut Fasthuber so ziemlich alles, was einem Jungautor durch den Kopf gehen kann: Kunst, Sex, Einsamkeit, Hunde, Weltmaschinen etc. Dass die Rahmenhandlung dabei im Dunkeln bleibt, scheint dem Rezensenten bald einerlei zu sein. Ergiebiger findet er ohnehin, was der Autor an Stilblüten zusammenschreibt. Fasthuber stößt auf beseelte Mobiltelefone und Sexszenen, bei denen der Lektor wohl "pietätvoll weggeschaut" hat.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.09.2009

Nachwuchssorgen hat die Literatur laut Richard Kämmerlings keine. Nach der Lektüre von Clemens J. Setz' "bösblickendem, bitterkomischem" Buch weiß der Rezensent nämlich wieder, was ein grandioser Roman so braucht: Nicht unbedingt ein Riesenaufgebot an Personal und Schauplätzen. Aber ein Händchen fürs Spielerische, fürs fein gestaltete Detail. Und "Fantasie des Ausdrucks". All das findet Kämmerlings hier, wo sich der Familienroman als "erzählerisches Dominospiel" präsentiert, das die seelischen Abgründe der Figuren freilegt und dem Rezensenten in Erinnerung ruft, wie sehr einem die eigene Familiengeschichte an Leib und Seele klebt.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.09.2009

Rezensent Tobias Lehmkuhl hat ziemlich viel Vergnügen an der Lektüre dieses Romans von Clemens J. Setz. Deswegen scheint er ziemlich enttäuscht, als er mit ihrem Fortschreiten feststellt, dass das Buch zwar hochunterhaltsam ist, aber doch nicht als Geschichte funktioniert. Ihm fehlt einfach der erzählerische Kern, auch wenn er durchaus die selten gehörten Schwingungen genossen hat, die Setz hier erklingen lässt. Am Ende hatte Lehmkuhl aber das Gefühl, "ein zwar schönes, aber unbrauchbares Spielzeug in der Hand zu halten". Der Roman beschäftigt sich mit allerhand physischen Deformationen, und natürlich steht die Familie im Mittelpunkt. Trotzdem ist es dem Rezensenten unmöglich, die Handlungsstränge nachzuerzählen. Dazu sind sie schlicht zu überbordend. Überhaupt stecken sehr viele Ideen in dem Roman, besonders angetan ist Lehmkuhl von Setz' "unablässiger Produktion ungewöhnlicher Bilder und Analogien".
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