Englisch und Deutsch. Die immer noch allgegenwärtigen Spuren der Gewalt, wie sie sich in öffentlichen und privaten Archiven der Stadt Belfast manifestieren, dokumentiert in einem ungewöhnlichen Fotoessay von Claudio Hils. Die Erfahrung von Gewalt hat sich tief in das kollektive Bewusstsein von Belfast eingegraben. In jedem Archiv der Stadt, das fotografische Mittel zur objektiven Beweisführung für die Auswirkungen von Gewalt verwendet, finden sich Spuren des Konflikts. Medizinische Röntgenaufnahmen zeigen den Körper als Ort von Traumata; Polizeifotos geben Tatorte genauestens wieder; Überwachungskameras militarisieren den öffentlichen Raum. Jene Archive sind umfassend, systematisch aufgebaut und werden ständig genutzt. Dagegen werden private und halböffentliche Sammlungen von Memorabilien des Konflikts gerade in offizielle öffentliche Archive umgewandelt, nämlich sobald solche Gegenstände - Uniformen, Propaganda - nicht mehr benutzt werden. Man überführt sie in einen neuen Kontext und macht sie so zu historischen Artefakten. Archive_Belfast beobachtet, wie Geschichte geschrieben wird.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 11.08.2004
Die meisten Fotografien, die in den vergangenen dreißig Jahren in Belfast entstanden sind, handeln von Entwurzelung, behauptet Ulf Erdmann Ziegler. Vielleicht ein Grund, weshalb die lokale Galerie "Belfast Exposed Photography" ausländische Fotografen aufgefordert hat, Belfast fotografisch zu dokumentieren, darunter auch Claudio Hils, der sich mit einem anderen nordirischen Traditionsthema beschäftigt hat, das "Belfast becoming past - Belfast becoming future" heißt. Hils' Bilder hingen bis Ende Juni in der Belfaster Galerie, teilt Ziegler mit, zugleich wurden sie im vorliegenden Katalog unter dem Titel "Archive Belfast" dokumentiert. Formal gesehen könnte man Hils' quadratische Farbfotografien als Parodie auf Candida Höfers Bibliotheksinterieurs interpretieren, meint Ziegler, denn tatsächlich hat Hils etwa ein Dutzend Belfaster Institutionen besucht und deren sogenannte Archive sich angeschaut. Der Begriff Archiv klingt nach Ziegler etwas hochtrabend, handele es sich doch häufig einfach um staubige und vernachlässigte Depots in irgendwelchen Hinterzimmern der besuchten Institutionen: eine örtliche Polizeiwache, das Krankenhaus, Parteigebäude oder das People's Museum. Leider fehlten dem Band begleitende Texte oder besser noch Reportagen, kritisiert Ziegler, die über die besuchten Orte informierten. Stattdessen besitze der Band (fünf!) analytische Texte, die sich an einer Begriffsbestimmung des Archivs versuchten und ihn nicht annähernd erläuterten.
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