Claude Simon

Der Wind

Versuch der Wiederherstellung eines barocken Altarbildes. Roman
Cover: Der Wind
DuMont Verlag, köln 2001
ISBN 9783770158652
Gebunden, 270 Seiten, 22,50 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Eva Moldenhauer. Antoine Montes kommt in eine südfranzösische Provinzstadt, um das Erbe des ihm unbekannt gebliebenen Vaters anzutreten: Der als Sonderling empfundene merkwürdige Fremde gerät ins Räderwerk eines unverstandenen Geschehens, das andere ins Unglück reißt und ihn selbst beinahe vernichtet hätte. Der Erzähler in Claude Simons epochalem Roman rekonstruiert aus Berichten, Gerüchten und Vermutungen das unglückliche Geschehen um Antoine Montes...

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 18.07.2002

50 Jahre nach seinem ersten Erscheinen wieder aufgelegt, wirke Claude Simons früher Roman "Der Wind" wie ein Klassiker, schreibt Franziska Meier: "vollkommen und fern". Simons Prosa zeichne sich durch eine "außerordentliche Sprachperfektion, ja Opulenz" aus, die in der besten Tradition Flauberts stehe, lobt die Rezensentin. Dabei erzähle der Roman überhaupt keine Geschichte im landläufigen Sinne, sondern konstruiere ein komplexes Geflecht von Figuren, Beziehungen und kleinen Handlungen mit verheerender Wirkung - und natürlich der Beschreibung des südfranzösischen Windes, der erbarmungslos auf Menschen, Dinge und Natur einschlage. Trotz all der Zerstörungskraft von Natur und Mensch, die Simon in seinem Panorama einfange, staunt die Rezensentin, stelle sich der Roman als ein "in sich ruhendes, mehrteiliges Bild" dar "über die entleerende Gewalt des Windes und der Zeit, über die Ohnmacht des Menschen, der nur die Wahl hat zwischen Anpassung und einer Schaden anrichtenden, selbstzerstörerischen Eigenart, über das Gegeneinander von Ordnung und Unordnung". Ausdrücklich lobt Franziska Meier in ihrer selbst recht mitreißenden Kritik auch die Übersetzung von Eva Moldenhauer.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 21.03.2002

Rolf Vollmann bespricht zwei Bücher von Claude Simon, die beide von Eva Moldenhauer neu übersetzt wurden: Simons neuen Roman "Die Trambahn" und den bereits 1957 erschienenen Roman "Der Wind". Besonders wunderbar an dieser Rezension ist, dass Vollmann vorführt, wie man von Simons Sprachgewalt lernen kann. Besonders ärgerlich ist, dass er kein einziges Wort über die Leistung der Übersetzerin verliert.
Wucht, Größe und eine "verrückte Besessenheit" sieht Rolf Vollmann in Claude Simons Erzählen und seinem Roman "Der Wind". Das Besondere am Romancier Simon aber ist, meint Vollmann, dass er es in dem Roman "Der Wind" über sich bringe, die Stadt, in der die Handlung spiele, so zu schildern, dass der Leser garantiert nicht dorthin fahren möchte. Mit "Der Wind" sei Simon ein Roman geglückt, "wie ihn sich, hätte man gewusst, was kommt, keiner mehr hätte vorstellen können".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 12.01.2002

Bilder von Menschen und Landschaften - von Claude Simon hat Rezensent Ulrich Raulff sich schon immer gern vorführen lassen. Bereitwillig folgt er den kühlen Beobachtungen des Autors in diesem aus dem Jahr 1957 stammenden Roman "eines Dichters, der mit dem indifferenten Blick der Kamera auf Menschen, Tiere, Wände, Bäume schaut" und der über eine Präzision der Bildbeschreibung verfügt, wie Raulff sie nur wenigen Schriftstellern zugestehen möchte. Da macht es wenig, dass der Held des Buches so "gänzlich unheldisch" ist ("ein Mann ohne Eigentum und ohne Willen"), die Frauengestalten ohne Innenleben auskommen müssen. Zumal Simon über die "Menschenhandlung" die vom Rezensenten als die "eigentliche, elementare" erkannte "Handlung des Windes, des Staubes, der Mauern und des Lichts" legt und sie "gleichsam mimetisch" wiedergibt, als "ziellos treibende, dann wieder aufbrausende und gespenstisch durch die steinerne Unbehaustheit der Menschen streifende Sprache des Windes", wie Raulff uns geradenach genießerisch erklärt.
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