Claude Levi-Strauss

Wir sind alle Kannibalen

Cover: Wir sind alle Kannibalen
Suhrkamp Verlag, Berlin 2014
ISBN 9783518586136
Gebunden, 252 Seiten, 26,95 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Eva Moldenhauer. Von 1989 bis 2000 hat Claude Lévi-Strauss für die italienische Zeitung "La Repubblica" sechzehn Artikel verfasst, in denen er aktuelle Ereignisse und Tendenzen der modernen Gesellschaft begleitend kommentiert. Zusammen mit seinem legendären Essay "Der gemarterte Weihnachtsmann" erscheinen diese nun erstmals in einem Band versammelt in deutscher Sprache. Die Themenvielfalt der Stücke ist schier überwältigend: Lévi-Strauss setzt sich mit dem Bevölkerungswachstum und der Entwicklung des Menschen seit seiner Entstehung in Afrika auseinander, mit der Massentierhaltung und der Landwirtschaft oder mit den heftig diskutierten Ritualen der Beschneidung von Mädchen und Jungen in verschiedenen Kulturen. Ein Buch, das den ungeheuren Gedankenreichtum sowie den Scharfsinn und die Originalität eines der ganz großen Intellektuellen des 20. Jahrhunderts exemplarisch vor Augen führt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 20.05.2015

Barbara von Reibnitz nimmt diesen Sammelband mit Wissenschaftsfeuilletons von Claude Lévi-Strauss aus der Zeit von 1989 bis 2000 als Einführungslektüre in das Denken und Schreiben des großen Ethnologen und Anthropologen. Dass der Autor in den versammelten Texten damals aktuelle Debatten berührt - Rinderwahn, Beschneidung, Reproduktionsmedizin - und mit seinen Lebensthemen, -motiven und -denkern verbindet, scheint ihr gewinnbringend. Ebenso der für die Texte grundlegende Versuch des Autors, Naturwissenschaften und Ethnologie miteinander ins Gespräch zu bringen. Lévi-Strauss' Thesen, etwa über die anthropologische Bedeutung des Schmucks, verblüffen die Rezensentin nach wie vor.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 10.01.2015

Mit reichlich Gewinn liest Wolf Lepenies die zwischen 1989 und 2000 in der italienischen "La Repubblica" erschienenen Texte von Claude Lévi-Strauss, hier zusammengefasst in einem Band. Längst verloren geglaubte Strukturen weist ihm der Soziologe in unserer heutigen Gesellschaft nach, wenn er Reproduktionsmedizin, Beschneidungsriten, den Rinderwahnsinn oder das Vegetariertum unter die Lupe nimmt. Besonders fasziniert scheint Lepenies von der methodischen Strenge einerseits, der Nonchalance in der Auswahl der Quellen und Verweise bei Lévi-Strauss andererseits. Das Vergnügen des Autors daran, den Leser zu verblüffen, indem er ihm das Exotische im Alltag aufzeigt und den sogenannten Fortschritt relativiert, wird ihm beim Lesen spürbar. Doch so aufschlussreich all das ist, der Rezensent spürt auch ein Unbehagen, scheint ihm doch eine normative Bewertung, etwa der Beschneidungspraxis, mit Lévi-Strauss und seiner Beweisführung zumindest erschwert.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.12.2014

Wie Welt und Geist miteinander verknüpft sind, erfährt Helmut Mayer in diesem Band mit Artikeln und Vorträgen von Claude Lévi-Strauss. Der Band scheint ihm eine gute Gelegenheit, mit dem Anthropologen bekannt zu werden, über schnörkellose, gut lesbare Texte, die Mayer dennoch nicht für Plaudereien hält, sondern für zielgerichtet auf grundsätzliche Motive und Fragestellungen. Es geht um Mythen und Kunstformen und ihre strukturale Analyse, erklärt Mayer, um das Verhältnis von wissenschaftlichem und mythischem Denken. Die Texte schließen teils an aktuelle Nachrichten an und geben keine Handlungsempfehlungen, sondern zeigen Sachverhalte auf, meint der Rezensent. Ganz aktuell beispielsweise "der Halloween-Anteil des Weihnachtsmanns".
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 24.12.2014

Kleiner Band, große Wirkung, meint Fritz Göttler über einen Sammelband mit Texten von Claude Lévi-Strauss. Texte aus La repubblica von 1989-2000 sind darunter und Einlassungen zu aktuellen Themen, wie der Weihnachtsmannverbrennung 1951 vor der Kathedrale von Dijon, erklärt Göttler und erkennt, wie sehr der Strukturalismus und seine Dynamik bestimmend sind, wenn der Autor stets Leben und Tod miteinander konfrontiert, vom Weihnachtsmann zu den Geistern der Pueblo-Indianer zu Halloween und den römischen Saturnalien kommt und hinter die Masken sieht, auf die Traumata der Gesellschaft. Dass Lévi-Strauss dabei nie das Spielerische verloren geht und er der große Märchenerzähler bleibt, scheint dem Rezensenten besonders bemerkenswert.
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