Nicht systemrelevant
Eine Aufarbeitung der Corona-Politik aus kinderethischer Sicht

Suhrkamp Verlag, Berlin 2024
ISBN
9783518472651
Kartoniert, 175 Seiten, 18,00
EUR
Klappentext
Kinder und Jugendliche sind bis heute die großen Verlierer der Corona-Pandemie. Die Schließungen von Kitas, Schulen und Freizeitangeboten haben ihnen lebenswichtige soziale Bezugssysteme genommen, zu deutlichen Lernrückständen geführt, ihre psychische Gesundheit gefährdet und bereits bestehende Ungleichheiten verschärft. Was vorher galt, zeigte die Pandemie überdeutlich: Junge Menschen in Deutschland haben keine Lobby, wenig Rechte oder Mitsprache. Gestützt auf aktuelle empirische Studien zieht Christoph Schickhardt die bittere Bilanz einer verfehlten Corona-Politik. Er benennt kinderethische Grundbegriffe und diskutiert diese mit Blick auf die UN-Kinderrechtskonvention und das Grundgesetz. Es ist symptomatisch für die Rechte junger Menschen, dass erst ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts zu den Schulschließungen eine grundgesetzliche Anerkennung des Rechts auf schulische Bildung ermöglichte.
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Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.09.2024
Rezensent Paul Gross liest die Lockdown-Aufarbeitung aus kinderethischer Sicht des Philosophen Christoph Schickhardt mit Gewinn. Über eine aus wahltaktischen Überlegungen in Kauf genommene Kindeswohlgefährdung durch den Staat, über verstärkte Mediensucht und Depression und eine höchst kurzsichtige Bildungspolitik während der Pandemie erfährt Gross Wissenswertes. Dass der Autor hier und dort pauschalisiert, ist die Ausnahme in der Regel einer ansonsten gründlichen Argumentation, meint der Rezensent. Schickhardts bildungspolitische Forderungen (Ferienreform, Mindestbildung) findet er plausibel.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 24.06.2024
Der Kinderethiker Christoph Schickhardt hat hier ein wichtiges Buch geschrieben, urteilt Rezensent Robert Probst. Der in Heidelberg lehrende Kinderethiker rechnet darin mit der Corona-Politik der Bundesregierung in Bezug auf Kinder und Jugendliche ab: Der langer Schulausfall und der mangelhafte Distanzunterricht, der geringe Schutz vor familiärer Gewalt und die psychischen Folgen für junge Menschen waren ihm zufolge nicht verhältnismäßig. Den Grund für die mangelnde Rücksicht junge Menschen in der Pandemie sieht Schickhardt dem Rezensenten zufolge darin, dass sich die Auswirkungen nicht direkt in den Wahlergebnissen niederschlagen, weil die Betroffenen Kinder sind. Er stellt aber auch einen generellen gesellschaftlichen Mangel an Empathie für Menschen unter 18 fest. Vielen der Vorschläge des Autors - zur Evaluierung von Maßnahmen, zu Monitoring-Programmen oder zu besseren gesetzlichen Regelungen für Kinderrechte - kann Probst zustimmen, hält sie allerdings für kaum realisierbar. Doch damit die wichtigen Erkenntnisse zu den nachteiligen Folgen der Corona-Politik für Kinder und Jugendliche nicht in Vergessenheit geraten, legt er Schickhardts Buch der breiten Öffentlichkeit sowie den Verantwortlichen in der Politik ans Herz.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 04.06.2024
Ein wichtiges Buch zur Aufarbeitung der Corona-Pandemie hat Christoph Schickhardt geschrieben, findet Rezensent Arno Orzessek. Konkret geht es um die Art und Weise, lernen wir, wie Kinder während der Pandemie im Stich gelassen wurden. Und zwar, glaubt Schickhardt laut Orzessek, weil sie anders als etwa die Industrie oder der Fußball keine Lobby haben. Das Buch plädiert auch allgemein dafür, so der Rezensent, kinderethische Fragen mehr in den Vordergrund zu stellen, thematisiert aber vor allem die zahlreichen Entwicklungsschäden, die Kinder in den Coronajahren erlitten. Zwar idealisiert der Autor für Orzesseks Geschmack teilweise die Kindheit zu sehr und berücksichtige in seiner Rekonstruktion nicht immer die Pandemierealitäten; dennoch zeigt sich Orzessek insgesamt überzeugt von diesem Buch, das empfindliche, vermeidbare Schwächen der deutschen Coronapolitik aufzeichnet.